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Das rekordverdächtige Anti-Trump-Posting

Medien | Betrachtung: Anna Goldenberg | aus FALTER 12/16 vom 23.03.2016

Drei Tage, eine Million geteilte Posts, zwei Millionen Likes - ein offener Brief an den US-Präsidentschaftsanwärter Donald Trump ist laut internationalen Medienberichten das wahrscheinlich meistgeteilte Facebook-Posting der Welt. Verfasst hat es der Fotograf Brandon Stanton, der seit 2010 den Blog "Humans of New York" betreibt, dem 17 Millionen Menschen folgen.

Warum ging das Posting viral? In klarer, eindringlicher Sprache prangert es in 300 Worten Trumps Rassismus und Gewaltverherrlichung an.

Wer gegen Trump ist, kann sich leicht damit identifizieren; die Argumente sind alt. Darüber hinaus formuliert Stanton seine Ablehnung von Trump als moralische Entscheidung. In einem Interview erklärte er, er wolle niemanden vor den Kopf stoßen, indem er den Anschein erwecke, politisch zu agieren.

Normalerweise füllt Ex-Banker Stanton seinen Blog mit Fotos von Menschen, die er auf der Straße trifft, versehen mit Zitaten aus den Gesprächen, die er mit ihnen führt.

Oft geht es auf "Humans of New York" um große Gefühle und Lebenskrisen. Stanton reiste in 20 verschiedene Länder, um dort zu fotografieren und Interviews zu führen. Wer mit kitschigen Zitaten und bewegenden Bildern jemanden auf emotionaler Ebene abzuholen versucht, trägt wenig zum Verstehen der gesellschaftlichen Zusammenhänge, geschweige denn zum politischen Aktivismus bei, werfen ihm Kritiker vor. Schnief, klick, fertig.

Wird der Brief Trump-Anhänger dazu bewegen, den eigenen Standpunkt zu überdenken?

Wohl kaum. Denn auf deren Gefühle, Ängste und Sorgen wird mit keinem Wort eingegangen.


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