Buch der Stunde

Als der junge Martin Pollack "Polaken" spottete

Dominika Meindl | Feuilleton | aus FALTER 13/16 vom 30.03.2016

Martin Pollack schreibt ungeheuerliche Texte. Sie zeugen von einem bösen Erbe. Die Pflicht zur Erinnerung hat ihm der Vater hinterlassen, dessen Kriegsverbrechen der Sohn mit "Der Tote im Bunker" 2004 bekannt machte. Pollacks Zugang zur Geschichte geht vom Einzelnen aus. Denn wenn die Opfer anonym bleiben, haben die Täter gesiegt.

Mit der familiären Erblast beginnt auch der Band "Topografie der Erinnerung", eine Sammlung jüngerer Reden und Aufsätze. Als Leiter eines Sonderkommandos hatte der Vater Juden und Partisanen gejagt. Der Sohn sucht in Polen nach Augenzeugen einer von ihm angeordneten Geiselerschießung. Dabei richtet er nicht, er berichtet, etwa wenn er vom geliebten Großvater (ein "Vorzeige-Nazi") erzählt oder von der Kindheit in der "Patenstadt des Führers", in der der junge Pollack geflohene Volksdeutsche als "Polaken" verspottet. Als er sich später aufmacht, in Warschau Polonistik zu studieren, sind die Verwandten entsetzt und können nicht zugeben, dass der Vater dort

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