Neue Normalität des Bösen: Karadžic´

Nach dem Haager Urteil gegen Radovan Karadžić. Scheitert Vergangenheitsbewältigung auf dem Balkan?

Falter & Meinung | Kommentar: Vedran Džihić | aus FALTER 13/16 vom 30.03.2016

Überwältigt von allen Arten der Reaktionen auf das Urteil gegen Radovan Ka radžić drängte es mich wieder einmal zu den Schriften von Hannah Arendt. Bis sie Adolf Eichmann in Jerusalem beim Prozess traf, schrieb sie stets von der Radikalität des Bösen . Als sie ihn im Glaskasten sah, änderte sie ihre Meinung: "Das Böse ist immer nur extrem, aber niemals radikal, es hat keine Tiefe, auch keine Dämonie", fand Arendt und schloss mit der ihrerseits radikalen und provokanten Einsicht, dass das Böse banal sei.

Bei Karadžić und rund um Karadžić ist nichts banal. Das Urteil ist eindeutig, das Böse benannt. Er ist schuldig - des Völkermords in Srebrenica, der Verfolgung und der Internierung von Nichtserben, der Deportation und Ermordung von Bosniaken und Kroaten, der 1425 Tage langen Belagerung von Sarajevo. Kühl nahm Karadžić das Urteil an, um gleich am Tag danach zum Rundumschlag gegen das Kriegsverbrechertribunal auszuholen. Er ist sich keiner Schuld bewusst, das Urteil sei


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