Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Matthias Dusini | aus FALTER 13/16 vom 30.03.2016

Ku' damm 56" ist die deutsche Antwort auf "Mad Men". Die dreiteilige ZDF-Serie erzählt die Geschichte einer Berlinerin, die in einer Tanzschule aufwächst. Die Kontraste liegen auf der Hand. Während die US-Serie einen "Weiberhelden" (wie man damals zu sagen pflegte) zum Mittelpunkt hat, geht es in "Ku'damm 56" um ein Fräuleinwunder. Der Kurfürstendamm ist nicht so freizügig wie die Madison Avenue, wo Don Draper auf Aufriss geht. Die von Sonja Gerhardt verkörperte Monika Schöllack lernt die Abgründe des postfaschistischen Alltags kennen: das Verbot von Homosexualität, das Überleben der Altnazis und den Zwang, eine gute Partie zu machen.

Wie "Mad Men" rekonstruiert "Ku'damm 56" eine Ära als Gesamtkunstwerk, vom Nierentisch bis zum Rock 'n'Roll, von Plattenbauten bis zum TV-Küchenstudio, in dem ein Foto der in der Nachkriegszeit beliebten Kurstadt Meran hängt. Die Amerikaner inszenieren machistische Männer, die Deutschen emanzipierte Frauen. Die zivilisatorische Synthese wäre "Mrs Monika Draper in Manhattan" oder: "Don Schöllack in Köpenick".


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