Selbstversuch

Die Adhäsionskompetenz von Brie war mal höher

Doris Knecht steht dem Konzept des fröhlichen Scheiterns nicht grundsätzlich negativ gegenüber

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 13/16 vom 30.03.2016

Es kommt schon wieder ein Bridget-Jones-Film ins Kino, ich habe mir, ich weiß jetzt auch nicht mehr, warum, den Trailer angesehen: die Hölle, die Hölle. ("Die Hölle" ist allerdings ein anderer Film, der gerade erst gedreht wird und von dem ich mir Erhebliches erwarte.)

Die Teenager jedenfalls sollen sich von mir aus mit Fantasie-Altersangaben ins Kino schleichen und "Deadpool" anschauen sowie meinetwegen auch noch zehn "Panem"-artige Filme, aber den Bridget-Jones-Scheiß schauen sie mir fix nicht an.

Wann wird Hollywood endlich aufhören, solche Drecksfilme zu drehen, mit weiblichen Hauptfiguren, die überhaupt nichts auf die Reihe kriegen, traurige Opfer ihres Hormonspiegels, aus ihrem Elend nur zu retten von strahlenden Rittern? Mir tut auch die arme Renée Zellweger so leid, die in ihrem Alter noch Babyfilme drehen muss. Zumindest hat sich so gesehen die faziale Kompletterneuerung rentiert, wenngleich man sie auch als Bridget Jones nur noch an dem permanent belämmerten Ich-weiß-nichtwie-das-passieren-konnte-Idiotengrinser erkennen kann.

Colin Firth tut mir auch leid, der muss irgendwo ein böses Geldleck oder ein Dutzend unehelicher Kinder haben, denn wieso sonst macht ein erwachsener Mann bei so was mit? Offenbar war diesmal ja nicht einmal Hugh Grant zu überreden, und Hugh Grant ist sonst doch noch immer für jedes leicht verdiente Romcom-Gerstl zu haben.

Immerhin glaube ich, dass die modernen jungen Frauen sich so einen Dreck gar nicht mehr anschauen, die wachsen mit Filmen auf, in denen zornige junge Frauen die Welt retten, was mir rolemodelmäßig hundertmal lieber ist und von der Idee her sehr viel näher steht als die des traurigen, ewig über die eigenen Haxen in die Arme eines herrlichen Retters stolpernden Trutscherls. Und wer diese Kolumne schon länger kennt, weiß, dass sie dem Konzept des fröhlich vor sich hin scheiternden Individuums ja keineswegs abhold ist, das, jetzt nur zum Beispiel, immer noch nicht gelernt hat, dass man im Gehen nicht vom belegten Brot abbeißen soll, weil einem dann die Paprikaringerln vom Brie rieseln, dessen Adhäsionskompetenz in den 1980ern irgendwie höher war. Wurscht. Weil einem das Publikum selbstverständlich viel lieber dabei zuschaut, wie einem etwas auch nicht so toll gelingt, als dabei, wie man perfekt und makellos ist, eine Gefahr, in die sich keine Leserin und kein Leser dieser Zeilen jemals begibt. Aber wer sich einen großartigen Film über das Scheitern ansehen will, besorge sich "The Lobster" von Giorgos Lanthimos, den ich mir noch viermal ansehen werde, bevor ich alles verstanden habe; aber an eine großartigere, brutalere, präzisere und lustigere Zerlegung des Systems Zweierbeziehung (und eigentlich auch aller anderen humanoiden Daseinsformen) kann ich mich gerade nicht erinnern.

Nichts für Teenager, definitiv. Mit denen gehe ich jetzt Mirjam Ungers "Maikäfer flieg" anschauen, wird eh Zeit.


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