Film Neu im Kino

Schaurig-schöner Dschungeltrip

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 13/16 vom 30.03.2016

Er wisse nicht, ob der Dschungel schon Wahnsinn bei ihm ausgelöst habe. Die Schönheit, die sich ihm geboten habe, sei unbeschreiblich. Es sind dies Worte aus dem Reisetagebuch des deutschen Anthropologen und Amazonienforschers Theodor Koch-Grünberg aus dem Jahr 1907. Seine Aufzeichnungen waren Inspiration für Ciro Guerras Oscar-nominiertes Drama "Der Schamane und die Schlange".

Der titelgebende Heiler Karamakate lebt allein im kolumbianischen Dschungel. Ein schwer kranker Grünberg bittet um seine Hilfe. Voll Hass auf die Weißen lehnt Karamakate ab, doch als der Deutsche behauptet, den Aufenthaltsort seines tot geglaubten Stammes zu kennen, willigt er ein, mit ihm eine Heilpflanze zu suchen.

Sodann wechselt die Zeit des Films 30 Jahre in die Zukunft. Ein alter Karamakate wird 1940 vom -ebenfalls realen -US-amerikanischen Botaniker Richard Evans Schultes besucht, der dieselbe Wunderpflanze finden will. Beide Reisen werden nun abwechselnd gezeigt. Auf dem Weg über die spiegelnden Wasser des Amazonas, durch den Urwald, in Dörfer, Kautschukplantagen und eine christliche Mission enthüllt sich die leidvolle Geschichte der Indigenen, die von den Kautschukfarmern versklavt und ermordet wurden. Weitere Themen sind das Verhältnis von Mensch und Natur, Spiritualität und die - auch humorvolle - Begegnung verschiedener Ethnien.

Guerras transportiert diese Reflexionen und Botschaften in seinem tiefgründigen Kinokunstwerk leichtfüßig und in atemberaubenden Schwarzweißbildern (Kamera: David Gallego). Während die Hauptfiguren allerlei Drogen konsumieren, sorgt die hypnotische Atmosphäre des Films auch aufseiten des Publikums für eine Art Rausch. Wenn dieser schließlich die Bildebene erobert, halten die Farben Einzug.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino)


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