Keine nostalgische Show

Wie prägend waren die 1970er? Das fragt die Schallaburg in ihrer diesjährigen Ausstellung

Lexikon | Maria Motter | aus FALTER 13/16 vom 30.03.2016

Wer kommt mit in den Debattenraum zu Wohngemeinschaft? Oder sollte man zuerst in jenen zu Sitins oder gleich zum "Club 2" schauen? Es soll jedenfalls zur Sache gehen in den fünf sogenannten Debattenräumen der Ausstellung "Die 70er -Damals war Zukunft" in Schallaburg. Das wünschen sich Künstler und Kulturvermittler, die gemeinsam diese Räume entwickelt haben und damit auf die Partizipationslust der Besucher setzen. Mitsprache und Selbstermächtigung bestimmten das Jahrzehnt, auf das man hier zurückblickt. An einem Tisch wird da etwa ein Plenum abgehalten, bei dem - auf das Erste banal wirkende - Fragen wie die Aufteilung von Hausarbeit verhandelt werden können. Einladender ist da das Ambiente jener Lounge, die an die legendäre TV-Diskussionssendung "Club 2" erinnert.

Die 1970er-Jahre waren so viel mehr, als die Wickie-Slime-und-Paiper-Produktpalette zu erinnern vermochte. Das zu erinnern, tritt diese Schau an. Freilich sind etliche der Exponate in der Schallaburg Konsumgüter wie Legosteine oder Puppenküche, aber ein Uno-Helm oder ein Modell des Schikander Kinos erzählen andere Geschichten. Die Fristenlösung und gratis Schulbücher, Nachwirkungen des Nationalsozialismus, die Abstimmung über Zwentendorf und der Bau der Uno-City hierzulande, aber auch die vielen Konflikte und Kriege international werden zumindest kurz thematisiert. Der Fokus liegt auf Österreich. Was sich in der Zivilgesellschaft der 1970er-Jahre getan hat, soll vermittelt und stets eine Auseinandersetzung mit der Gegenwart angeregt werden. Was haben die Debatten damals bewirkt und haben sie heute noch Relevanz? Das Wiener Büro trafo.K -Renate Höllwart, Elke Smodics, Nora Sternfeld und Ines Garnitschnig - und Hannes Etzlstorfer kuratierten die Ausstellung, Gabu Heindl und ihr Team übernahmen die Architektur.

Apropos Architektur: Würden Coop Himmelb(l)au sich heute in einen Ballon mit vier Metern Durchmesser einschweißen und als "Unruhige Kugel" durch Basel rollen lassen wie 1971, ginge das wohl viral. Allein, was die Künste angeht, wirkt das einstige Tun noch heute revolutionär. Anlässlich der Ausstellung gestalten die Künstler Danica Dakić, Petja Dimitrova, Oliver Ressler und Anna Witt Plakate, die das Medium zum Dialog nützen wollen. Ein Tipp vor dem Besuch in Schallaburg: Die Tageskarte wird zur Saisonkarte, wenn man sich vorab anmeldet. Online geht das einfach. Und ein Blick in die nahe Zukunft: 2017 widmet sich die Schallaburg dem Islam.

Schallaburg, Mo-Fr 9.00 bis 17.00, Sa, So, Fei 9.00 bis 18.00, bis 6.11.


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