"Wenn man Glück hat, vergisst man seine Wünsche"

Mit "Der Mauerläufer" legt die Amerikanerin Nell Zink das schrägste Romandebüt der Saison vor. Der Falter besuchte sie in Berlin und sprach mit ihr über Vogelschutz und Analverkehr

Feuilleton | Begegnung: Klaus Nüchtern | aus FALTER 13/16 vom 30.03.2016


Foto: Christian Jungeblodt / laif / picturedesk.com

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Es ist das am häufigsten erzählte Literaturbetriebsmärchen der Saison: die Geschichte von der unbekannten Teilzeitübersetzerin Nell Zink, die dem berühmten Schriftsteller und fast ebenso berühmten Birdwatcher Jonathan Franzen einen Brief schreibt, um ihn auf das Vogelelend am Balkan aufmerksam zu machen. Der Antwortbrief trifft ein halbes Jahr später im Juni 2011 ein. Als Franzen erfährt, dass seine neue Brieffreundin seit vielen Jahren auch literarische Texte schreibt, allerdings nur für einen einzigen Leser (einen israelischen Schriftsteller namens Avner Shats), ermahnt er sie zu erhöhter Ernsthaftigkeit und lässt sich ihre Manuskripte schicken.

Worauf Zink im August 2011 in vier Tagen für Franzen das erste Viertel eines Romans niederschreibt, der drei Jahre später unter dem Titel „The Wallcreeper“ bei einem kleinen Independent-Verlag herauskommt und enthusiastische Kritiken erntet. Für ihr im Jahr darauf erscheinendes Buch „Mislaid“ erhält die Autorin einen sechsstelligen Vorschuss, für „Nicotine“, ihren dritten Roman innerhalb von zwei Jahren (er wird Anfang Oktober erscheinen), 425.000 Dollar. Wenn die heute 52-jährige Nell Zink ihren Lebensstil beibehält, kann sie 100 werden, ohne sich Sorgen um ihre Pension machen zu müssen.


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