Menschen

Alle unter einem Dach

Falters Zoo | Lukas Matzinger | aus FALTER 13/16 vom 30.03.2016

Hätt ma das auch. Die Nachfolgerin von the one and only Desirée Treichl-Stürgkh als Opernballorganisatorin wurde endlich präsentiert. Die Ex-Ö3-Moderatorin und jetzt Sponsoring-Beauftragte der Staatsoper Alexandra Hilverth ist es nicht, der Wiener, der den Karneval in Venedig flottgemacht hat, Andy Lackner auch nicht, und dem Nachfolge-Vorschlag von Desirée Treichl-Stürgkh wurde auch nicht stattgegeben. Geworden ist es Maria Großbauer, was eigentlich eh schon seit zwei Monaten fix war -Staatsoperndirektor Dominique Meyer hat Großbauer angeblich sogar schon im Sommer vergangenen Jahres gefragt, ob sie sich den Job vorstellen kann. Egal, jetzt ist sie es halt, jetzt schauen wir sie uns an, die Großbauer-Maria. Sie ist 35 (und damit die jüngste Opernball-Lady bislang), kommt aus Niederösterreich, betreibt eine Ein-Frau-Werbeagentur und hat gern Musik. Sie hat Querflöte und Klavier gelernt und Jazz-Saxofon an der Musik-Uni studiert. Sie hat dann sogar eine Funk-Fusion-Band - das sind, wie jeder weiß, die heißesten Bands von allen - geleitet. Seit mehr als 30 Jahren geht sie selbst in die Staatsoper, sagt sie. Das mag man glauben, denn Großbauers (geborene Jeitler) Vater war ein Philharmoniker. Noch interessanter ist im aktuellen Zusammenhang aber ihr Mann, der jetzige Vorstand der Philharmoniker, Andreas Großbauer. Der nämlich hat traditionell ein Wörtchen mitzureden, wenn es darum geht, den Vertrag von Staatsoperndirektor Dominique Meyer noch einmal, oder halt nicht mehr, zu verlängern. Und eben letzterer Meyer hat jetzt die Frau vom Philharmonikerboss zur ehrenamtlichen Opernball-Lady ernannt. Heiße Kiste. Aber na ja, sie wird das schon gewissenhaft machen, alles. Jetzt lernt sie erst einmal das ganze Team kennen und bringt sich selbst überall ein. Sie hat auch schon Visionen für die Ballzukunft. "Musik aller Genres" sei eine Idee für den Abend, sagte sie in einem Interview mit der Döblinger Bezirkszeitung. Wenn da mal nicht wieder die Funk-Fusion schlagend wird.

Er war da. Pete Doherty hat am vergangenen Freitag zum ersten Mal mit seinen Libertines in Österreich gespielt - vor ungefähr 4500 Indiekindern (ein paar davon von Wanda) und einer also eher leeren Stadthalle. Der Wildfang Pete Doherty hat geliefert, was bestellt war: Er ist jetzt 37, schaut aus wie 47 und benimmt sich wie 17. Er ist zwar bekennend clean, war aber halt voll angesoffen, hat sechs Mikroständer und eine E-Gitarre ins Publikum geschmissen und mit dem anderen Sänger und Rauschkind Carl Barat zu raufen begonnen. Man kann alles bei denen anzweifeln, aber Rock 'n'Roll bekommt man hier noch. Das Konzert selbst war immer an der Kippe, aber nie drüber. Doherty kann noch immer nicht wirklich Gitarre spielen, vergisst Zeilen und droht noch immer von der Bühne zu fallen, wenn ihn kein Ordner festhält. Aber er war da, was nach acht abgesagten Österreichkonzerten schon was ist, und hat ohne nennenswerte Verspätung ein ziemlich knackiges Set dagelassen. Hinten raus, da hatten sie sogar ihre Momente, wenn einander nach zehn Minuten Zugabenpause bei "Up the Bracket" und "Don't Look Back into the Sun" Leute in den Armen liegen, und man es spüren konnte, wie relevant diese Band noch immer ist.


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