Theater Kritik

So furchtbar öde: Bösch inszeniert Tschechow

Lexikon | SS | aus FALTER 13/16 vom 30.03.2016

Den Tschechow' schen Figuren ist bekanntlich immer recht langweilig. Das Leben und die Untätigkeit öden an und die Provinz hat wenig zu bieten. So ist es auch in Tschechows 1901 uraufgeführten Drama "Drei Schwestern". Moskau ist hier der Sehnsuchtsort. Zusammen mit ihrem Bruder wollen die Schwestern, ein Jahr nach dem Tod des Vaters, in die Großstadt zurück, wo sie geboren wurde. Dort soll alles gut werden. Aber man weiß schon von Beginn an, Moskau wird Sehnsuchtsort bleiben und niemals zum realen Ziel werden.

Regisseur David Bösch hat aus dem russischen Stück kein großes Ausstattungstheater gemacht, sondern reduziert inszeniert. Auf der Bühne steht das Rohgerüst eines Hauses, es hat keine Wände, sondern ist mit Plastikfolie umhüllt. Auf dem durchsichtigen Plastikdach liegen alte, vertrocknete Blätter, die auch den Bühnenboden bedecken. Dieser Ort hier hat nicht viel zu bieten, will uns Harald B. Thors zurückhaltendes Bühnenbild sagen.

Nicht so viel zu bieten hat auch Böschs Inszenierung. Erstaunlich einfallslos ist der Abend rund um die ländliche Öde, daran kann auch das wunderbare Ensemble nichts ändern. Marie-Luise Stockinger spielt die kindlich lebensfrohe jüngste Schwester Irina frei heraus und Aenne Schwarz ist als Mascha schön dunkel gestimmt und trägt ihren trockenen Humor vor sich her. Olga (Katharina Lorenz) ist die älteste und pragmatischste der drei Schwestern. Und Philipp Hauß gibt den phlegmatischen Bruder Andrej so lethargisch, dass man ihn am liebsten schütteln würde.

Es passiert nicht viel an diesem Theaterabend, an dem viel ums Klavier herumgelungert und oft geraucht wird. Dazwischen spielen die Musiker Bernhard Moshammer und Karsten Riedel Lieder am Akkordeon und auf der Balalaika und singen mit russischem Akzent. Insgesamt ist das Alles recht langweilig.

Nächste Vorstellung: Burgtheater, 11. April


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