Der Totalitarismus kassiert das Schicksal

Für seine Auseinandersetzung mit Auschwitz bekam Imre Kertész den Nobelpreis. "Holocaust-Romancier" wollte er keiner sein

Feuilleton | NACHRUF: KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 14/16 vom 06.04.2016

Denn sogar dort, bei den Schornsteinen, gab es in der Pause zwischen den Qualen etwas, das dem Glück ähnlich war. ( ) Ja davon, vom Glück der Konzentrationslager, müßte ich ihnen erzählen, das nächste Mal, wenn sie mich fragen."

So lauten die vorletzten Worte von "Roman eines Schicksallosen", der seinem Autor späten, nicht nur willkommenen Ruhm bescherte. 13 Jahre lang hatte er in seiner Budapester Einzimmerwohnung, die er 42 Jahre lang mit seiner Ehefrau bewohnte, geschrieben. Das 1975 erstmals erschienene "Sorstalanság", so der ungarische Originaltitel, wurde erst in der zehn Jahre später erschienenen Neuauflage zur Kenntnis genommen, der eigentliche Durchbruch aber gelang dem Autor mit Christina Viraghs deutscher Neuübersetzung von 1996.

Mit "Kaddish für ein ungeborenes Kind" (1992),"Fiasko" (1999) und "Liquidation"(2003) bildet der "Roman" eine "Tetralogie der Schicksallosigkeit", eine Bezeichnung, die nicht vom ihm selbst stammt, gegen die der Autor aber auch nichts einzuwenden


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