Kommentar Kunst

Falsche Entscheidung: Erwin Wurm auf der Venedig-Biennale

Falter & Meinung | MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 14/16 vom 06.04.2016

Wer fährt nach Venedig? Alle zwei Jahre rätselt die Kunstszene, wer es diesmal sein wird. Erst bestellt der Kulturminister einen Kommissär, der dann wiederum jenen aussucht, der Österreich auf der Biennale vertreten wird. Christa Steinle, ehemalige Leiterin der Neuen Galerie Graz, gab ihre Entscheidung jetzt bekannt. Erwin Wurm und Brigitte Kowanz werden 2017 den österreichischen Pavillon gestalten.

Steinle macht es sich leicht. 2015 hatte Heimo Zobernig, die Nummer zwei des Trend-Kunstrankings, einen souveränen Auftritt. Da kann man sich auch von der Nummer fünf, Erwin Wurm, eine solide Leistung erwarten. Anders als etwa Kommissär Jasper Sharp, der 2013 mit Mathias Poledna das Risiko einging, einen eigenwilligen und kaum bekannten Künstler einzuladen, heißt es jetzt wieder: Kennen wir schon. Steinles Entscheidung ist halbherzig. Immer dann, wenn mehrere Künstler den Pavillon bespielen, geht etwas schief. Elke Krystufek, Dorit Margreiter und Lois und Franziska Weinberger gingen unter, als sie sich 2009 die Säle teilten, denn die Aufmerksamkeitsspanne auf einer Großausstellung reicht maximal für eine Soloshow.

Wenn nun Wurms humoristische Skulpturen auf Kowanz' technoide Spiegelinstallationen treffen, ist das nicht mehr, sondern weniger. Eine junge, experimentierfreudige Kunstnation sieht anders aus.

Die letzten Kommissäre wurden stets dafür kritisiert, dass zu wenige Frauen zum Zug kommen. Der Kunststar in Kombination mit der Nummer 13 des Trend-Rankings, das wirkt wie eine Verlegenheitslösung. Als habe die Kuratorin zuerst an Wurm gedacht und dann an die Frauenquote. Falsch gewählt, Herr Ostermayer!


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige