Kunst Kritik

Raster und Gitter, auch gern zerknautscht

NS | Lexikon | aus FALTER 14/16 vom 06.04.2016

Mit ihren geometrischen Schwarz-Weiß-Gemälden schreibt sich Esther Stocker schon längere Zeit erfolgreich in eine Linie konkreter Kunst ein, die zuletzt auch hierzulande wieder stärker gewürdigt wird (siehe etwa die aktuelle Schau "Formkunst" im Unteren Belvedere). Erfreulicherweise verharrt die Künstlerin aber nicht im Zweidimensionalen, sondern strebt immer wieder de facto in den Raum. Mit ihrer konsequenten Op-Art bespielt sie derzeit die Galerie Krobath, wo aus einer Wandinstallation Metallstreben wie Dreiecke in den Raum reichen. Diese Klebestreifen der Installation stehen wiederum in Verbindung zu den gezeigten Gemälden, für deren Raster sie ja zum Einsatz kommen. Den Raumeingriff komplettieren zwei möbelartige Objekte, die ein Tischler nach Stockers Entwurf gefertigt hat. Federleicht sind hingegen die an der Wand hängenden Papierskulpturen, die wie charmant zerknautschte Stocker-Gemälde aussehen.

Im Hinterzimmer ist eine erste Werkauswahl des 1986 in Vorarlberg geborenen Sebastian Koch zu sehen, der mit Tuschzeichnungen und Holz-Gips-Skulpturen antritt. Der Ausstellungsstitel "Crook" ist in seinem Fall nicht mit "Schlitzohr", sondern mit "gekrümmt" oder "Beuge" zu übersetzen, denn Koch verwendet Bugholz für seine kühn gebogenen, in der gestückelten Form eleganten Objekte. Form, Materalkombination und Gipssockel lassen an den Kontruktivismus denken, ohne dass der Künstler sich hier irgendwie anbiedern würde.

Wie perfekt die Holzteile darin eingebaut sind, offenbart die handwerkliche Ambition und Könnerschaft des Galerienneulings. Auch für seine Tuschzeichnungen, die ein bisschen wie Designentwürfe anmuten, hat der Künstler spezielle, boxenartige Rahmen gebaut. Sie verleihen den Blättern eine eigene Kompaktheit und verbinden gelungen Bild und Skulptur.

Galerie Krobath, bis 20.4.


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