Sport Glosse

Auch eine Überraschung wie diese Mannschaft wurde von langer Hand geplant

Stadtleben | aus FALTER 14/16 vom 06.04.2016

Eine Woche nach der glanzvollen 1: 2-Niederlage gegen die Türken. Zwei Monate bis zur EM, und noch einmal vier Wochen bis zum Titel. Da kommt man ins Sinnieren. Aus welchem Raum kroch diese alle österreichischen Wahrscheinlichkeiten ignorierende Mannschaft? Es ist 1984, George-Orwell-Jahr: Der Vorstand der Austria Tabak, Beppo Mauhart, übernimmt den ÖFB, eine Grindhütte. Keine EM-Quali, keine WM-Quali, kein Geld, kein Nachwuchs, keine Ausbildung, Büros von Verband und Vereinen wie in den 30ern. Mauhart modernisierte auf Teufel komm raus. Er exorzierte Landesverbandspräsidenten, Klub-Bosse, Provinzpolitiker. Zwang der Trägheit eine Reform der Nachwuchsausbildung auf. Und übertrug sie dem blassen Oberösterreicher Willi Ruttensteiner. Der hatte zwar keine Karriere als Trainer, was ihm bis heute (hinter vorgehaltener Hand) Skepsis einträgt. Aber er wusste, was ein Overhead-Projektor ist. Er konnte "Taktik" buchstabieren. Er wusste, wo man im Ausland die Bausteine für den "österreichischen Weg" findet. Das Nationalteam fußt nicht nur auf importiertem Wissen und vereint Einwanderer-und Einheimischensöhne. Es ist, so viel zum Gesundheitswahn, das Vermächtnis eines passionierten Rauchers.


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