"Den Amadeus wollte niemand"

Das Linzer Hip-Hop-Quartett Texta präsentiert im Flex sein Österreich-Konzeptalbum



Foto: Zoe Fotografie

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Seit 1993 sind der Rapper und Produzent Flip, seine MC-Kollegen Huckey und Laima sowie DJ Dan als Texta unterwegs – und damit Österreichs dienstältester Hip-Hop-Act. Von Müdigkeit ist auf ihrem neuen Album „Nichts dagegen, aber“ jedoch nichts zu spüren. Die Idee, ausschließlich mit Samples österreichischer Künstler zu arbeiten, hat sich als kreativer Glücksgriff erwiesen.

Falter: Sie haben das neue Album via Crowdfunding finanziert. Warum?

Huckey: Das wurden wir schon öfters gefragt. Zum Teil mit der Nachfage: „Habt ihr das nötig?“ Die Antwort lautet „ja“. Wenn man selber eine vernünftige Produktion aufstellen und die Pressung einer Platte finanzieren will, muss man das machen.

Flip: 7500 Euro war unser Minimalziel, 12.500 sind es geworden. Damit sind wir sehr zufrieden. Der einzige Fall, den ich in Österreich bisher kenne, wo Crowdfunding gut funktioniert hat, war bei Clara Luzia. Ich glaube, man entwickelt hierzulande gerade erst ein Verständnis dafür, was das ist.

Huckey: Teilweise bin ich mir aber wie ein Bettler vorgekommen. Als eine Gratistageszeitung einen Artikel brachte, haben mich die Leute beim Einkaufen mitleidig angeschaut und gefragt: „Geht’s euch eh gut? Schafft ihr’s?“

Flip: Wir hätten im Rahmen der Aktion auch gern unseren „Amadeus“-Musikpreis hergegeben, aber den wollte niemand.

Huckey: Das wäre das erste Mal gewesen, dass der Amadeus Award etwas wert ist. Wir hätten ihn günstiger ansetzen sollen.

„Nix dagegen, aber“ ist ein Konzeptalbum, auf dem Sie ausschließlich Samples österreichischer Künstler verwenden. Wie kam es dazu?

Flip: Schuld ist der „Alpenrap“ der EAV. Als ich mir den Beat vorgenommen habe, wurde mir klar, dass ich das ganze Album so durchziehen will. Wir wollten aber keine „Juhu, Österreich“-Platte machen, sondern in den Texten auch eine kritische Auseinandersetzung mit unserem Land liefern.

Laima: Ohne dass wir die österreichische Seele von A bis Z durchbuchstabieren. Eine gewisse Leichtigkeit war uns auch wichtig.

Die Musikauswahl ist recht überraschend.

Flip: Es sollten nicht nur offensichtliche 70er-Jahre-Rare-Groove- und Austropop-Sachen vorkommen. Falco ist zum Beispiel gar nicht dabei. Dafür viel Oberösterreichisches von Eela Craig über Wipeout und Attwenger bis Valina. Kreisky waren die einzigen Gäste, die zu uns ins Studio kamen, um ihren Part einzuspielen. Das war lustig.

Sie sampeln auch den Schlager „Melancholie“ von den Bambis. Weil Sie das Lied mögen?

Flip: Ja, das ist einfach ein super Song. Beim Freigeben des Samples hat man uns gesagt, dass Mandy, der Sänger, verschollen ist.

Laima: Der ist sicher in Thailand.

Flip: Man weiß es nicht. Der Verlag gab dann leider nur die Rechte für die Version aus den 70ern frei, wobei das Original aus den 60ern viel besser ist. Ich habe daher nur den Gesang der späteren Version hergenommen und die Originalmusik komplett nachgespielt. Das darf man.

Huckey: Gerhard Haderer, der das Albumcover gemacht hat, war auch ganz selig, als er die Nummer gehört hat.

Wie beurteilen Sie die österreichische Hip-Hop-Szene aktuell? Es tut sich eine Menge.

Flip: Und das ist super. Die meisten Jungen machen nicht unbedingt Musik, die mich sehr berührt, und sie erzählen auch nichts, was mein Leben wahnsinnig bereichert. Aber vieles ist gut gemacht. Yung Hurn etwa hat super Nummern, bei dem spürt man eine Einheit von Künstler und Werk. Ich bin halt gespannt, wie lang man dieses Swag-Ding, das nur darauf beruht, dass man cool und lässig ist, durchziehen kann. Auf der anderen Seite gibt es auch Kids wie den zwölfjährigen Salzburger Rapper Gr1mer, der intelligente Texte kickt, die ich mir von 24-Jährigen wünschen würde.

Texta fanden zuletzt vermehrt im Theater statt. Was haben Rapper auf dieser Bühne verloren?

Flip: „Welcome to Astoria“ ist nach „Max’n Morizz“ unser zweites Stück am Linzer Landestheater. Im Grunde haben wir die Soundtracks zu den Stücken geschrieben. Wir spielen unsere Nummern live und haben auch kleine schauspielerische Parts.

Laima: Es ist ein sehr angenehmes Arbeiten. Man muss sich nicht alles selbst ausdenken, sondern bekommt Themen vorgegeben, über die man schreibt. Auch vom Praktischen ist es für uns alte Männer super. Ich gehe um 20 Uhr ins Theater und bin um spätestens 23 Uhr zu Hause.

Sie bezeichnen sich in einem neuen Stück als „Kleinbürger“.

Laima: Das ist natürlich Selbstverarschung. Aber es stimmt auch. Ich war kürzlich auf Urlaub. Beim Spielen mit den Kindern lernt man am Strand andere Eltern kennen und irgendwann fragt man einander nach den Berufen. Mein Satz ist immer: „Ich bin Tiefbauingenieur und Rapper.“ Da machen die Leute ganz große Augen. Aber weil ich einen anderen Job habe, bin ich dadurch nicht weniger Rapper.

Flex, Do 20.00

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FALTER 21/19
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