Stadtrand Urbanismus

Fotografierenswürdigkeiten

Stadtleben | Lukas Matzinger | aus FALTER 14/16 vom 06.04.2016

Es ist wieder Frühling und der gelernte Wiener weiß, was das bedeutet. Es gilt jetzt massiv aufzupassen, wenn man zufällig am Stephansplatz oder Riesenrad vorbeigeht, dass man nicht irgendeinem Touristen seine Kamera aus der Hand rempelt. Diese Orte sind jetzt die ihren und die ihrer iPads und Spiegelreflexgeräte, die es irgendwann im Angebot um 499 Euro gegeben hat. Nichts gegen ein gepflegtes Selfie, um eine originäre, nicht wiederholbare Kombination Mensch/Ort festzuhalten - wenn es schon nicht reicht, um des Dortseins willen zu verreisen, sondern man auch das Dagewesensein beweisen will. Aber welchen Nutzen hat die Welt von Millionen gleicher Fotos von den immergleichen Häusern, die seit hunderten Jahren gleich aussehen? Was machen die Leute dann mit diesen Fotos? Kleine Vorführungen im privaten Rahmen? Ab und zu, in ruhigen Stunden, daheim im Wohnzimmer rausholen und die Westminster Abbey 2007 mit dem Stephansdom 2010 vergleichen? Ein kleiner Tipp: Im Internet gibt es wirklich tolle Bilder von all diesen Gebäuden. Den Moment, davorzustehen, aber bringen auch tausend Fotos nicht zurück.


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