Film Neu im Kino

"The Forbidden Room": Fragmente & Phantasmen

Lexikon | EVA KLEINSCHWÄRZER | aus FALTER 14/16 vom 06.04.2016

Guy Maddins "The Forbidden Room" ist in vielerlei Hinsicht ein Film, der sich im Dazwischen bewegt. Zwischen den Räumen, zwischen den Zeiten. Und in einem historischen Dazwischen, dem Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm. Eine Zeit, aus der zahllose Filme einfach verschwunden sind -das Material zerstört, verfallen oder verloren. Maddin widmet sich diesen Bruchstücken und erzählt die Lost Films neu, ein leeres Spielfeld an Möglichkeiten dessen, was sein könnte. Die Motive der Verlorenheit und des Zerfalls bleiben den Bildern und Begebenheiten dabei immer inhärent: Das Material befindet sich fortwährend in einem Zustand der Transition, die Oberflächen greifen sich gegenseitig an, überlagern sich, verschmelzen ineinander und verzerren sich, als ob auch das, was wir gerade sehen, schon im Begriff ist, sich aufzulösen, um selbst in die Geschichte der Lost Films einzugehen. Die Aufnahmen gleichen Suchbewegungen, die durch diese Geschichten streifen und immer wieder versteckte Risse, kleine Durchgänge und Verbindungen in den Bildern finden und so neue Räume eröffnen, die bis eben noch verborgen waren.

Das Ergebnis sind surreale Bildteppiche, schwarzweiß oder atmosphärisch koloriert -auch die Farben befinden sich im Wandel der Zeit. Gleichermaßen in der Schwebe zwischen Sein und Verschwinden befinden sich die Gestalten des Films, Wesen zwischen Mensch, Mythologie, Amnesie, Wahnsinn und Traum. Sie irren durch phantastische Welten, voneinander abgeschnitten, suchend, tastend, fragend. Sie sind die Verlorenen. Des Films. Und der Filmgeschichte. "The Forbidden Room" eröffnet ein unendlich weites Spektrum an Ideen, Referenzen und Möglichkeiten und auch man selbst verliert sich im Rausch dieser Bilder, sodass Trans und Trance oft nicht weit auseinanderliegen.

Exklusiv im Gartenbau (OmU)


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