Festival Tipp

Der elektrische Frühling im Museumsquartier

Lexikon | GS | aus FALTER 14/16 vom 06.04.2016

Der Beigeschmack war ein wenig schal, als der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny am 16. April letzten Jahres auf der Freiluftbühne im Museumsquartier stand und zur Eröffnung des Gratis-Konzertreigens Electric Spring gut gelaunt erklärte, dass die lokale Elektronik-Szene den Wunsch nach einem eigenen Festival an ihn herangetragen habe - und ihm dieser Wunsch quasi Befehl und Electric Spring die logische Konsequenz sei. Tatsächlich hatte diese Szene einst ja "ihr" Festival. Es hieß Phonotaktik, fand Mitte der 1990er in einer Zeit des künstlerischen Aufbruchs statt, war aufregend, international und visionär -und leider nur von kurzer Dauer. Alle weiteren Initiativen, in Wien Derartiges auf die Beine zu stellen, verblieben im Planungsstadium.

Electric Spring kam dann nicht nur dem etablierten audiovisuellen Festival Soundframe terminlich in die Quere, es debütierte auch noch ausgerechnet in jenem Jahr, in dem die Techno-Doyenne Electric Indigo und der Hip-Hop-Experte Stefan Trischler eine sehr elektronische Ausgabe des Popfests auf dem Karlsplatz kuratierten. Electric Spring war im Endeffekt ansprechend gemacht, wirkte aber doch wie die kleine Schwester des Popfests. Dazu kam der Eindruck, die spontane Initiative sei womöglich nur ein nicht gänzlich durchdachtes Wahlzuckerl.

Dass dem nicht so ist, beweist die zweite Ausgabe, die -von der Falter-Partykolumnistin Katharina Seidler ebenso mutig wie spannend kuratiert -am 8. und 9. April wieder bei freiem Eintritt stattfinden wird. Das hochkarätige Programm reicht von queerem Elektropop über lässigen Hipster-Hip-Hop bis zu Lärm-Elektronik und Avantgarde mit und ohne Tanzbarkeit. In dieser Form ist Electric Spring tatsächlich eine Bereicherung für die Wiener Musikfestival-Landschaft.

Museumsquartier, Fr, Sa 19.30


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