Theater Kritik

Grau-in-graues Mitleiden am Nicht-Ort


MARTIN PESL
Lexikon | aus FALTER 14/16 vom 06.04.2016

Könnte grenzenlos interessant sein, diese zufällige Zusammenkunft von "Menschen im Hotel": Niemand lebt an diesem Nicht-Ort, und doch sind viele rastlose Existenzen erst hier richtig Mensch. Die Bestsellerautorin Vicky Baum hat in ihrem Roman 1929 so ein flüchtiges Szenario entworfen, das in Anna Bergmanns Bühnenfassung vom italienischen Regiealtmeister Cesare Lievi an den Kammerspielen grau in grau mit Anleihen am Stummfilm inszeniert wurde. Leider ergehen sich die eh nur zwei Stunden inklusive Pause derart in trister Fadesse, dass man weder mit dem tapferen Siegfried Walther als Todkrankem, der noch einmal einen draufmacht, noch mit dem Mut zur Grauslichkeit beweisenden Heribert Sasse mehr Mitleid aufbringt als mit sich und dem Publikum.

Kammerspiele der Josefstadt, Do 20.00


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