Schuster, bleib nicht bei deinem Leisten: Eine Doku über GEA-Gründer Heini Staudinger

Feuilleton | FILMKRITIK: MICHAEL OMASTA | aus FALTER 14/16 vom 06.04.2016

Erfolgsgeschichten aus dem Waldviertel sind eine Seltenheit. Eine davon weiß Heinrich Staudinger zu erzählen, der Eigentümer der Waldviertler Schuhwerkstatt und der Firma GEA (Gesunde Alternative) mit ihrem mittlerweile 50 Shops umfassenden Filialnetz in Österreich, Deutschland und der Schweiz.

An gesundem Ego und Selbstbewusstsein fehlt es dem Unternehmer nicht. Staudinger, von allen vertraulich nur "der Heini" genannt, gefällt sich in der Rolle des unerschrockenen Pioniers und weisen Querdenkers. "Das Leben ist keine Generalprobe", lautet eine seiner Erkenntnisse. Filmemacherin Nicole Scherg hat diesen Merksatz zum Titel ihres ersten langen Dokumentarfilms gemacht.

Eine skurril-witzige Szene gleich zu Beginn lässt tief blicken. Staudinger, von einer Radtour erhitzt, schwimmt in einem idyllischen See mitten im Wald. Bill Gates, feixt er, habe Spione ausgesandt, um seinen Badeteich zu finden, doch er verrate ihm den Platz nicht: "Die Moral aus der Geschicht - es gibt Freuden, wo Milliardäre haben den Zugang nicht."

Das Handwerk des Schuhmachers, das in Schrems noch gepflogen wird, interessiert den Film nur am Rande. Deutlich mehr Aufmerksamkeit widmet er den hauseigenen Broschüren, in denen GEA-Produkte mit Philosophie und Nachhaltigkeit beworben werden. Den hemdsärmeligen Umgang des Chefs mit seinen Mitarbeitern kann man vermutlich als "freundlichen Paternalismus" bezeichnen. Einmal verteilt Staudinger selbst Kuchen an die Belegschaft eines ungarischen Zulieferbetriebs; ein andermal wettert er vor Journalisten gegen die horrenden Lohnnebenkosten hierzulande.

Zu überregionaler Bekanntheit verhalf Staudinger eine Klage, die 2012 wegen "illegaler Bankgeschäfte" von der Finanzmarktaufsicht gegen ihn eingebracht wurde. Seither zieht der Heini gegen die Bevormundung durch die Banken und die Republik vom Leder, schöner Nebeneffekt: Solch ziviler Ungehorsam rechnet sich, der Umsatz seines Unternehmens hat sich zuletzt verdreifacht.


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