Tiere

Raubvögel


Peter Iwaniewicz
Falters Zoo | aus FALTER 14/16 vom 06.04.2016


Zeichnung: Bernd Püribauer » zur Tier-Galerie

Eigentlich wollte ich aus der wunderbaren Welt der Leseranfragen berichten, wo ich immer wieder auf kreative Lösungen im Umgang mit Problemtieren stoße. Frau J. hat in ihrem Garten einen kleinen Teich. Die Zielvorgabe dieses „Biotops“ orientierte sich an den traditionellen Erziehungsmethoden für kleine Kinder: Diese sollen zu sehen, aber nicht zu hören sein. Nun wurde aber diese Wasserfläche von diversen Amphibien besiedelt, die diese pädagogischen Vorgaben einfach ignorieren und die Nachtruhe nicht einhalten. Oder wie schon Wilhelm Busch reimte: „Die Unke schreit im Sumpfe kläglich / Der Uhu schläft zwölf Stunden täglich.“ So lange wie dieser Eulenvogel kann Frau J. nun nicht mehr ruhen. Da alle Amphibien streng geschützt sind, ist der Dame jegliches Froschvergiften und Laichvernichten im Garten bei Strafe untersagt. Sie sucht nun eine „natürliche Methode, so etwas wie die schneckenfressenden indischen Laufenten“ und frägt, „wo man Störche mieten“ könne. Wäre ich ausreichend jung und Hipster, dann würde ich sofort in Kooperation mit einem Teichbauern ein Start-up gründen: Storks to rent – for frogs to end. Oder auch: Crowd-funded on-demand animal interactive entrepreneurship. Super Sache das! Aber dann gab es plötzlich nur mehr Leute, die ein Kinderbuch von Janosch zitierten und über Panama sprechen wollten. Das ist auch verständlich, denn Panama ist die Heimat für 218 Säugetier-, 732 Vogel-, 226 Reptilien- und 164 Amphibienarten. 31 davon sind sogar endemisch, kommen also nur in diesem Land vor. Genauso wie Österreich hat Panama einen Adler im Wappen. Unser Seeadler wirkt aber gegen den panamaischen Nationalvogel, die Harpyie, eher wie eine schwachbrüstige Lerche.

Mit einer Flügelspannweite von bis zu zwei Metern und Weibchen, die bis zu neun Kilo schwer werden, sind Harpyien die größten und physisch stärksten Greifvögel der Welt. Im Kronendach des Regenwalds jagen sie Faultiere und Affen. Dass sie wie die gleichnamigen Zwitterwesen aus der griechischen Mythologie auch Babys in ihr Nest verschleppen, wäre möglich, passiert aber aufgrund der geringen Zahl freilaufender Kleinkinder in Baumkronen so gut wie nie. Da steckt aber sicher auch eine gute Business-Idee in so einem Weltmeister-Adler. Ich denke noch darüber nach, vielleicht mal eine Firma gründen in Panama …


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