Film Neu im Kino

Von Schmerz und Glück: "Ein Mann namens Ove"


SABINA ZEITHAMMER
Lexikon | aus FALTER 14/16 vom 06.04.2016

Ove ist verbittert. Ove ist neurotisch. Ove terrorisiert seine Mitmenschen mit aggressivem Kontrollwahn. Hinter seiner einschüchternden Fassade ist der 59-Jährige aber todunglücklich, denn vor Kurzem ist seine Frau, Sonja, gestorben. Als er zwangspensioniert wird, will er seinem Leben ein Ende setzen. Der Abgang gestaltet sich jedoch schwierig, da die unbeugsam fröhliche Parvaneh mit ihrer Familie in die Reihenhaussiedlung zieht und Oves Kontakt sucht.

Mit "Ein Mann namens Ove" verfilmte Hannes Holm den gleichnamigen Bestseller von Fredrik Backman. Als Komödie angekündigt, fällt der Film stark auf die melancholische Seite, wenn Oves Entleibungsversuche auch ein schwedisch-trockener Humor begleitet. Inhaltlich erinnert er sowohl an Pixars "Oben" als auch an "Die fabelhafte Welt der Amélie", der Fokus liegt allerdings fast ausschließlich auf der Hauptfigur. Parvaneh und ihre Familie, Oves frühere Freunde Rune und Anita, der dicke Jimmy, der schwule Mirsad und die verwaiste Katze spielen als ungebetene Gäste in Oves Leben eine Rolle, haben selbst aber keinen ausgestalteten Hintergrund. Stattdessen zeigt der Film mittels Erinnerungen an Oves Kindheit, seine Jugend und seine Beziehung mit Sonja, wie er zu dem geworden ist, der er ist. Auch Sonja hatte den introvertierten jungen Mann mit unwiderstehlicher Herzlichkeit aus der Reserve gelockt - eine hübsch erzählte, von Tragik begleitete Liebesgeschichte.

Je stärker die Freundschaft mit Parvaneh aufkeimt, desto mehr wird der Film zum Feel-good-Movie, bleibt dabei jedoch angenehm unvorhersehbar - so schnell wird aus dem Grantler kein umgänglicher Mensch. Tiefgang entwickelt Holms Werk nicht, vermittelt seine Lebensweisheiten aber auf solide, unterhaltsame Weise.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


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