Kunst Kritik

Zagreb: Wo Künstler große Denker lieben

NS | Lexikon | aus FALTER 14/16 vom 06.04.2016

Mit einem Fuß in der Philosophie, mit dem anderen in der Kunst: So treten die acht männlichen Künstler aus dem Zagreb der 1960er-bis 80er-Jahre auf, deren konzeptuelle Arbeiten derzeit in der Galerie Martin Janda zu sehen sind. Die von der kroatischen Kuratorin Branka Stipancic gestaltete Schau "Der ,Geist' ist die Memorie" hält einen aber auch mit einer guten Portion Humor bei der Stange, denn die Avantgarde jeder Zeit mag es verspielt und (selbst-)ironiebegabt.

Da tritt etwa Mladen Stilinovic in seiner sechsteiligen Serie von Fotomontagen "Conversation with Freud - The Artist as his own Complex" mit eigenen Doppelgängern auf, mit denen er auch homoerotische Sexszenen inszeniert. Surrealistisch mit Augenzwinkern auch Vlado Martek, der in seiner Fotoperformance aus Schnee ein "Anti-Monument" für Andre Breton errichtet, das wie ein Grabstein mit Busen aussieht, und dann an der kalten Brustwarze nuckelt. Von Martek stammen auch Landkarten, in denen er seine Kollegen ("Group of Six Artists") und Heroes ("Derrida", "Dostojewski") als Kontinente verewigt.

Die älteste Arbeit der Schau entstand bereits 1951 bis 1956: Der einflussreiche Künstler, Kritiker und Museumskurator Mangelos (1921-1981), der sich nach einer kleinen serbischen Stadt benannte, schrieb damals "Pythagoras" auf eine Leinwand, ein Anti-Gemälde, weil ihn die geometrischen Prinzipien des antiken Philosophen fesselten. Er nimmt aber auch Bezug auf den Codex von Hammurabi, den er in anderen Schriftbildern würdigt, oder Hegels Metaphysik, auf die er mit einem silbernen Globus anspielt.

Sehenswert ist auch der strukturelle, mit Duke Ellingtons Jazz unterlegte Film "Straight Line" von Tomislav Gotovac, eine Straßenbahnfahrt durch das Zagreb von 1964.

Galerie Martin Janda, bis 16.4.


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