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Falter & Meinung | BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 14/16 vom 06.04.2016

Es gibt diesen Witz über den Rabbiner, der sich zu Jom Kippur -dem heiligsten Ruhe-und Fasttag der Juden - in aller Früh heimlich auf den Golfplatz schleicht, um seinem Hobby zu frönen. Ein Engel fragt Gott: "Willst du den Rabbi nicht dafür bestrafen?" Gott nickt. Der Rabbi steht also im Morgentau allein auf dem Rasen, schlägt ab und ... trifft genau ins Loch. Hole-in-One, die Meisterleistung im Golf. Fragt der Engel "Gott, warum hast du ihn nicht bestraft?" Sagt Gott: "Hab ich doch. Der Rabbi hat zu Jom Kippur ein Hole-in-One geschafft. Aber er kann's keinem erzählen."

Schweigen ist schwer. Vor allem als Journalist. Vor allem, wenn die Kollegen lange an einem Geheimprojekt arbeiten. Wenn es sich bei diesem Geheimprojekt noch dazu um die "Panama Papers" - also das größte Datenleak der Geschichte -handelt, macht es das Schweigen nicht einfacher. Nein, es macht es: schwerer.

Florian Klenk und Josef Redl, im österreichischen Geschäft der Investigation keine ganz Unbekannten, haben an diesem globalen Journalismusprojekt mitgearbeitet. Gemeinsam mit Kollegen vom ORF haben sie sich in den vergangenen Monaten in ihr Rechercherefugium zurückgezogen, um aus dem riesigen Datenmeer dicke Fische zu angeln. Sie suchten, suchten, suchten und fanden, fanden, fanden. Und sie sind noch lange nicht fertig.

Seit Sonntag müssen wir nicht mehr schweigen. Wir haben uns erlaubt, in dieser Ausgabe zu klotzen, statt zu kleckern. Ein journalistisches Hole-in-One will gefeiert werden.


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