Buch der Stunde

Hoch schwebt der Heller, die Toten warten im Keller

Feuilleton | ERICH KLEIN | aus FALTER 14/16 vom 06.04.2016

Antonio Fian wurde soeben 60, Anlass genug für den sechsten Band seiner gesammelten Dramolette. Gleich im titelgebenden "Schwimmunterricht" wird vorgeführt, was den Minimalismus dieser 70 zwischen 2005 und 2015 entstandenen Kurztexte so groß macht. An einem sonnigen Sommermorgen am Millstätter See: "VATER: Schwimm her! - SOHN (nach Luft schnappend): Konn nimma!" Nach einigem Hin und Her heißt es: "Hea auf zum Schreien, sunst kriagst a Floschn!" Man weiß, was kommt, und ist zehn Zeilen später dennoch überrascht: "Floschn. Ende des Schwimmunterrichts. Vorhang." Antwort auf die Frage, was ein Dramolett ist: Aus Gewalt wird Kunst!

Das mag ein Gemeinplatz sein wie jener, dass Antonio Fian zu den bedeutendsten Stimmen der österreichischen Gegenwartsliteratur zählt, gehört aber dennoch gesagt. Und wenn er sich in Karl-Kraus-Manier über Medienphraseologie, den Leerlauf gegenderter Sprache, über Osama bin Laden samt Schüssel und Strache oder Bobobetroffenheit mokiert, spielt Fian ohnedies in einer eigenen Klasse. Ganz nebenbei liefert er eine Chronik des politischen Alltags, sodass künftige Historiker unsere Zeit anhand seiner Dramolette beurteilen mögen.

Besonders abgesehen hat es Fian auf die Apostel des Hohen und Hehren, und sein liebstes Zielobjekt ist ihm André Heller.

Für den bösen Humanisten ist dieser Fantast nicht bedeutsamer als der besoffene Hausmeister, der die Apokalypse herbeistammelt: "Wer tritt die Hund' aus der Wies'n, rechtzeitig, bevor s'alles anscheißen? Wer verjagt die Kinder, wenn's anfangen Sauereien machen am Gang? Wer schaut auf die Toten im Keller, Frau Jerzabek, wenn der Hausmeister nimmer da is', wer halt' die Toten ruhig?" Was danach noch bleibt? Eigentlich nichts. Die Welt ist abstrus und durch keine Satire zu überbieten, sie wird die nächsten vier Jahrzehnte also gewiss hinreichend Stoff für weitere Fian-Dramolette bieten.

Lesung und Fest für Antonio Fian Café Prückel, 6.4., 19 Uhr


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