Ohren auf Disco- und Houseperlen

Messe im Zeichen des Grooves, der nie stoppt

SEBASTIAN FASTHUBER | Feuilleton | aus FALTER 14/16 vom 06.04.2016

Die Dance-Music gilt als eine sehr modebewusste Szene. Sprich: Die gerade angesagten Sounds und Stile sind sehr kurzlebig. Umso bemerkenswerter, dass der New Yorker DJ, Remixer und Produzent Larry Levan (1954-1992) auch fast 25 Jahre nach seinem Tod immer noch ein großer Name ist und regelmäßig Compilations mit seinen Arbeiten erscheinen. In den frühen 80ern war Levan der Star des angesagten Clubs Paradise Garage. Zu seinen überlangen, eklektischen DJ-Sets, die auch als "Samstagsmessen" bezeichnet wurden, kamen Stars und Schickis ebenso wie Dragqueens und Punks. Die Doppel-CD "Genius of Time" (Universal) versammelt großartige, Disco, Dub und den damals erst aufkommenden House-Sound zusammendenkende Mixes, die Levan etwa für Grace Jones oder Gwen Guthrie angefertigt hat. Kurz darauf begannen in Chicago und Detroit Kids mit Drummachines und Synthesizern eigene House-Tracks zu produzieren. Zu den wichtigsten Namen des Genres gilt der seit damals aktive Larry Heard. Mit dem Trio Fingers Inc. brachte er 1988 das Album "Another Side"(Alleviated) heraus -damals eine Blaupause für Deep House mit beseeltem Gesang, heute längst ein Klassiker, der kürzlich in wunderschöner Vinyl-Neuauflage wiederveröffentlicht wurde.

In den 1990ern bewegte sich House in Richtung Großraumdiscos und Mainstream. Dass es immer noch charmante Acts gab, zeigt die Werkschau "Strictly Mood II Swing"(Strictly Rhythm) des vor allem Mitte der 90er höchst umtriebigen New Yorker Produzenten-Duos Mood II Swing. Das ist der Sound des Hedonismus, doch stets mit einer Prise Melancholie gewürzt.

Ganz frisch und nicht minder empfehlenswert: "From Joy" (Wild Oats), das neue Album des auf der Ästhetik von Acts wie Theo Parrish aufbauenden jungen Detroiters Kyle Hall. Er versteht sich auf eine moderne Fusion aus Disco, Funk, R&B - und House.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige