Wien Marathon Klaus Nüchterns Lauftagebuch

Ich brauch mir doch nichts zu beweisen!

Stadtleben | aus FALTER 14/16 vom 06.04.2016

Eigentlich müsste ich damit hadern, dass ich - wenige Tage vor dem großen Ereignis - verkühlt bin. Es ist aber leider wurscht, weil ich mich schon vor Wochen in das kontinuierlich dichter belegte Falter-Lauflazarett vertschüsst habe. Die Anmerkungen von Barbara "Black Flash" Tóth hinsichtlich der genderasymmetrischen Ausfallsquote sind keineswegs bar aller Grundlage und Triftigkeit; von übertriebenem Ehrgeiz, der unserem nachweislich zarter besaiteten und -sehnten Geschlecht gerne unterstellt wird, kann freilich keine Rede sein: Ich hab lediglich gemacht, was mir der Trainer angeschafft hat.

Zuletzt waren das Einheiten von zweieinviertel Stunden, und ich hatte mir die auch ganz großartig eingeteilt gehabt, nämlich so, dass ich nach zwei Stunden 14 Minuten und ein paar Zerquetschte vor der Tür des Aufzugs zum Bahnsteig der U2-Station Donaumarina zum Stehen kam. Ob das, was die letzte halbe Stunde vor dem Stehen stattgefunden hatte, füglich unter dem Begriff "Laufen" rubriziert zu werden verdient oder als eine Art erweitertes Gehen gelten muss, sei dahingestellt. Ich glaube jedenfalls, behaupten zu dürfen, dass ich den mir maximal möglichen Bewegungsaufwand betrieb, denn der Versuch, das Knie auch nur um einen halben Zentimeter weiter nach oben zu ziehen, scheiterte kläglich. Ich fühlte mich so elastisch wie eine sehr alte Vollholzskulptur.

Die meisten Körperteile und -partien entspannten sich nach einigen Stunden, lediglich meine rechte Achillessehne beharrt seit einigen Wochen hartnäckig auf ihrem Vollholzfeeling. Während ich seit vielen Jahren 40 bin, ist meine Achillessehne weitergealtert, die dumme Sau. Mental verarbeite ich diesen Umstand, indem ich mir sage, dass ich mir doch nichts zu beweisen bräuchte, weil ich den Marathon ja eigentlich schon erledigt habe - 1998. Und jetzt gründe ich ein Rhönradballett.


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