Enthusiasmus Kolumne der Superlative

De beste klaane Raupn da Wöd da Wochn


BARBARA TÓTH
Feuilleton | aus FALTER 14/16 vom 06.04.2016

Oh Manno!" "Nee!" "Ich bin ein Junge!" "Lecker!" "Voll geil!" Kika, Nickelodeon und Super RTL haben das Ihre dazu beigetragen, österreichischen Kindern ihren Dialekt auszutreiben. Der deutsche Jumbo-Verlag macht das jetzt wieder ein bisschen gut, indem er den Kinderbuchklassiker "Die kleine Raupe Nimmersatt" des amerikanischen Autors Eric Carle als Hörbuch auf Österreichisch herausgebracht hat.

Sie heißt jetzt "De klaane Raupn Nimmasott" und frisst sich nicht durch Pflaumen, sondern Zwetschken. Den heimatlichen Klang gibt ihr der wunderbare Wiener Musiker und Kinderbuchautor Marco Simsa zurück. Er liest Carles naive Erzählung von der kleinen Raupe, die sich eine ganze Woche lang den Bauch vollschlägt, um sich am Ende zu verpuppen und dann zu einem wunderschönen Schmetterling zu werden, mit Augenzwinkern und viel Liebe zum gesprochenen Wort.

Wobei: Österreichisch gibt es ja nicht. Simsa spricht alpines Deutsch mit unverkennbar Wienerischem Einschlag. "Varus wollte etwas sagen, konnte es aber nicht. Wie sehr er mit seinen Flügeln auch hibbelte, wie schnell er auch ribbelte, es kam kein Ton heraus", heißt es etwa in der bundesdeutschen Version von Carles Geschichte "Die kleine Grille singt ihr Lied". Sie ist die dritte von neun Geschichten, auf die jeweils ein Musikstück folgt. Aus "wie sehr" macht Simsa "so oarg", aus "hibbelte" wird "probiert hot", aus "ribbelte" "griebn hot".

Er erzählt natürlich im gemütlichen Perfekt, nicht im strammen Präteritum. Das entspannt die Kinder, und die Eltern gleich mit. Wer weiß, welche Kindergeschichten noch alle besser würden, bekäme man sie endlich wieder auf Österreichisch und nicht im Super RTL-Synchronretortendeutsch vorgelesen.


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