DAS PROJEKT

Wie der Falter und der ORF in ein internationales Recherche-Netzwerk aufgenommen wurden


EINBLICK: FLORIAN KLENK
Politik | aus FALTER 14/16 vom 06.04.2016


Illustration: FALTER

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Früher war investigativer Journalismus ein einsamer Job. Aufdecker wie etwa Alfred Worm glichen Wölfen, die hinter Aktenbergen verschwanden und irgendwann mit einer Exklusivstory auftauchten.

Doch damit ist es in globalisierten Zeiten vorbei, zumindest wenn es um die Recherche internationaler Storys geht – etwa die Geschichte von Steueroasen. Kein Journalist kommt hier alleine weiter.

Im Sommer des vergangenen Jahres bekam deshalb der Falter einen Anruf von Hans Leyendecker, Aufdeckungsjournalist der Süddeutschen Zeitung. Unser Blatt könne sich doch als Österreich-Vertreter beim International Consortium of Investigative Journalists in Washington (ICIJ), einem unabhängigen, von Spenden finanzierten Netzwerk von rund 180 Aufdeckungsjournalisten, bewerben.

Es gebe da eine große, von der SZ initiierte Datenrecherche, die von hunderten Journalisten aus aller Welt gemeinsam gestemmt werde. Nach einem Skype-Hearing mit einer Repräsentation der Organisation war der Falter dabei und damit Teil eines Teams, in dem Kollegen vom Guardian, der BBC oder Le Monde arbeiteten.
Kurz darauf bewarb sich auch ein Team des ORF erfolgreich für das Projekt. Falter und ORF sind nun die exklusiven Österreich-Partner des ICIJ.

Angesichts der Komplexität und der Datenmenge vereinbarten der Falter und der ORF, gemeinsam zu recherchieren (wir taten dies in einem gemeinsamen Büro), aber unabhängig voneinander zu publizieren. Jedes Medium trägt für sich die Verantwortung – und jedes Medium finanziert seine Recherche selbst. Die Medien, so wurde deutlich, kontrollierten sich auch gegenseitig, der Gefahr des Herdenjournalismus wurde vorgebeugt.

Die Bedingungen für die ICIJ-Kooperation: Alle Journalisten, die an dem Projekt teilnehmen, teilen während der Recherchen ihre Ergebnisse international, jedes Medium entwickelt seine eigenen Geschichten, die für alle Leserinnen und Leser kostenlos ins Netz gestellt werden müssen.

Die ausführlichen Reportagen des ICIJ-Teams finden sich auf ICIJ.org.


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