Theater Kritik

Wenn es zum Vögeln nicht mehr kommt

Lexikon | SS | aus FALTER 14/16 vom 06.04.2016

Ein Blumenbeet, ein gelbes Cabrio, aus dem zwei Beine baumeln und dahinter das blitzblaue Meer. Boris (Joachim Meyerhoff) steht in der Mitte der Bühne, es ist sehr, sehr lange still, dann sagt er: "Oder wir nehmen uns ein Zimmer im Ibis und ich vögel dich gleich."

Mit diesem Satz beginnt Yasmina Rezas "Bella Figura"(Regie: Dieter Giesing). Die Französin und Erneuerin der Boulevardkomödie war mit ihren Stücken "Kunst" und "Der Gott des Gemetzels" extrem erfolgreich und hat vor allem ausgezeichnete, niveauvolle Unterhaltung über den gehobenen Mittelstand geliefert.

Der Anfang ist super. Das Bühnenbild (Stéphane Laimé) ist ein realistisch gehaltener Parkplatz am Meer, auf dem ein echtes Auto steht. Man hört Grillen zirpen und ist mitten in der Szenerie: Boris will seine Geliebte Andrea (Caroline Peters) zum Essen ausführen, nur leider war er so ungeschickt, ihr zu sagen, dass ihm das Restaurant seine Frau empfohlen hat. Alles beginnt also trotz der romantischen Szenerie mit einem Streit und geht genau so unglücklich weiter. Boris ist insolvent, wie er Andrea gesteht. Zum Drüberstreuen trifft er am Parkplatz auch noch auf die beste Freundin seiner Frau inklusive Ehemann und Schwiegermutter (Kirsten Dene). Nun heißt es Bella Figura (eine gute Figur) machen, was ihm aber so gar nicht gelingen mag.

Rezas Stück arbeitet sich allein an dieser Situation ab. Der Witz ist manchmal etwas billig -die Schwiegermutter ist dement und tablettensüchtig, Boris und Andrea fallen am Klo übereinander her und werden dabei erwischt -und auch die Geschlechterrollen sind mitunter stereotyp. Trotzdem zeigt auch dieser Abend, dass Reza eine Meisterin der Boulevardkomödie ist. "Bella Figura" ist gute, niveauvolle Unterhaltung, die in dieser Inszenierung in stiller Melancholie zu Ende geht.

Akademietheater, Sa 20.00, Mi 19.30


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