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Politik sells: Ein Kaffee macht Wahlkampf

Betrachtung: Benedikt Narodoslawsky | Medien | aus FALTER 15/16 vom 13.04.2016

Produktwerbungen, die sich als politische Wahlwerbungen tarnen, haben in Österreich Tradition. 2004 schickte Möbelhersteller Lutz den Vater der Werbefamilie Putz ins Präsidentenrennen. "Die Österreicher brauchen einen Präsidenten, der weiß, wie man ein Land neu einrichtet", sagte dieser im Werbespot im staatstragenden Ton. Die Kandidatur war ein Scherz. Angeblich schrieben trotzdem einige Wähler seinen Namen auf den Stimmzettel.

Zur Fußball-WM 2006 plakatierte die Fastfoodkette McDonald's den damaligen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel mit einem rot-weiß-roten Fan-Schal mit der Aufschrift "Österreich isst Weltmeister". Die Opposition war angefressen wegen der freundlichen Gratiswerbung kurz vor der Nationalratswahl. Die ÖVP beteuerte, die Kampagne sei nicht mit der Partei abgesprochen gewesen, und forderte die Fastfoodkette auf, zur Strafe für die Wahlhilfe an eine karitative Einrichtung zu spenden. So bekam Schüssel nochmals Good News. Die Wahl verlor er trotzdem.

Zum heurigen Präsidentschaftswahlkampf versucht die Meinl-Kaffeemarke "Präsident" ein bisschen etwas von der politischen Aufmerksamkeit abzuschöpfen, die vor der Wahl hochkocht. Der Slogan für optimistische Wähler: "Ein guter Präsident kann ihre Verfassung ändern". Der für Politikverdrossene: "Nach der Wahl haben wir den Kaffee."

Weil das nicht reicht, lädt die Kampagne Bürger ein, gegen eine Packung Kaffee Wahlsprüche zu erfinden, die man auf der Homepage sammelt. Dort ist etwa diese Kreation zu finden: "Für diesen Präsidenten mach ich den Jacobs-Weg". Er könnte aus der Feder der Konkurrenzfirma Jacobs stammen. Klassischer Fall von Dirty Campaigning.


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