Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl: Zahlen und Fakten

Feuilleton | aus FALTER 15/16 vom 13.04.2016

Der Reaktorunfall von Tschernobyl vom 26. April 1986 war der erste Unfall, der auf der siebenstufigen internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse als katastrophal eingeordnet wurde. Österreich zählte zu den am stärksten kontaminierten Ländern. Hier wurden aufgrund von Wind und Regenfällen zwei Prozent des strahlenden Caesiums mit durchschnittlich 18,7 kBq/m² deponiert. Höhere Werte hatten nur Weißrussland, Russland und die Ukraine sowie einige Gebiete Skandinaviens.

Nach den Aufräumarbeiten der sogenannten Liquidatoren wurden die drei übrigen Reaktoren wieder hochgefahren. Der zweite Reaktorblock wurde 1991 nach einem Feuer in der Turbinenhalle abgeschaltet, die letzten beiden erst im Jahr 1997 bzw. 2000. Das Gebiet ist bis heute Sperrzone.

Seit 1986 war in Österreich, wo bereits 1978 ein Volksentscheid die Inbetriebnahme des Kernkraftwerks Zwentendorf verhindert hatte, die Anti-Atom-Politik gesellschaftlich und politisch nicht mehr umstritten.

In Deutschland dauerte es bis zur Nuklearkatastrophe von Fukushima vom März 2011, bei der es in drei Reaktoren zur Kernschmelze kam, bis der Ausstieg aus der Kernenergie - mit 80 Prozent Zustimmung in der Bevölkerung -beschlossen wurde. In jüngerer Zeit sind aber wieder kritische Töne zum Ausstieg zu hören.

Die Strahlung ist noch immer da, besonders Pilze und Wild sind belastet, auch hierzulande. Zu gestiegenen Krebsraten gibt es keine verbindlichen Zahlen. Ergebnisse von Langzeiterhebungen wie der KiKK-Studie von 2007, finanziert vom deutschen Umweltministerium, mit dem Ergebnis von um 50 Prozent erhöhten Leukämieraten bei Kleinkindern in der Nähe von Atomkraftwerken, sind nach wie vor umstritten.

Michail Gorbatschow, der in seinen Erinnerungen von 2011 "Alles zu seiner Zeit" sein Leben in zwei Hälften einteilt, eine vor Tschernobyl und eine danach, beschäftigt sich seit seiner Absetzung offensiv mit Umweltfragen.


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