Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Der beste Briefwechsel der Welt der Woche

Feuilleton | Sara Schausberger | aus FALTER 15/16 vom 13.04.2016

Als Kind war es so traurig, tröstlich, beängstigend, lustig und schön, Astrid Lindgren zu lesen. Mit Ronja Räubertochter konnte man mit einem lauten Schrei den Frühling willkommen heißen, mit Pippi Langstrumpf Pferde stemmen und mit den Brüdern Löwenherz ins Jenseits springen.

Lindgrens Bücher haben sich in die Kindheit eingeschrieben, und manchmal ist man wehmütig und wünscht sich, man könnte das alles noch einmal zum ersten Mal erleben. Aber man ist kein Kind mehr und die schwedische Autorin schon seit 14 Jahren tot. Dann ist da plötzlich dieses Buch: "Deine Briefe lege ich unter die Matratze", ein Briefwechsel zwischen Astrid Lindgren und Sara Schwardt, der nun veröffentlicht wurde.

Am 15. April 1971 schreibt die zwölfjährige Sara der Schriftstellerin einen Brief, in dem sie erzählt, dass sie Schauspielerin werden möchte und Lindgren um ihre Unterstützung bittet, weil sie weiß, "dass sie Einfluss hat". Außerdem lässt sie sich ohne Skrupel über die Verfilmungen von "Pippi Langstrumpf" und "Karlsson vom Dach" aus, vor allem die Pippi-Darstellerin Inger Nilsson findet sie furchtbar. Lindgrens Antwort auf dieses erste Schreiben existiert nicht mehr. Sara wurde so wütend, dass sie den Brief zerriss und ihn im Klo runterspülte. Es war der Beginn einer dreißigjährigen Brieffreundschaft.

Das Mädchen hat es sehr schwer, auch als Erwachsene noch. Die Schriftstellerin lässt sich auf die Heranwachsende ein und nimmt sie ernst. Dabei ist ihr Tonfall aufrichtig und warm, genau so, wie man ihn aus ihren Büchern kennt. "Es klingt tatsächlich so, als wäre es sehr anstrengend, Sara zu sein", heißt es an einer Stelle. Und da ist es wieder, das Traurige und das Tröstliche, das Lustige und das Schöne, wie nur Astrid Lindgren das konnte und nach dem man sich gesehnt hat.


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