Theater Kritiken

Alles wird Hut: Liebe in Zeiten der Dystopie


Martin Pesl
Lexikon | aus FALTER 15/16 vom 13.04.2016

Ist Caryl Churchills "In weiter Ferne" aktuell, weil es Flüchtlinge enthält? Mag sein. Hier steht die Frage dank unverhoffter Stil-und Spielsicherheit hintan. Obwohl Ingrid Lang das Drama in aller Seelenruhe inszeniert, dauert es nur eine Stunde, in der jedoch entfaltet sich bizarrer Grusel: Peter Lahers Raum, eine Vitrine mit zu schmalen Vorhängen, zeigt Stadien einer ominösen Dystopie. Menschen äußern Sozialkritik durch Hutmacherkunst und wissen nicht mehr, ob die Enten auf der Seite der Franzosen stehen oder nicht. Je grotesker der Text, desto ernster werden die brillant unheimlichen Akteure Johanna Wolff, Matthias Mamedof und Inge Maux. Zwischen den Zeilen erzählen sie ganze Romane oder verlieben sich während der zugleich lustigsten und traurigsten Modenschau des Jahres. Kuriose Empfehlung.

Theater Nestroyhof Hamakom, Fr, Sa, Mi, Do 20.00


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