Und ein Bissen zum Getränk

Hubert Peter ist ein großer Mischer und Mixer. Jetzt hat er seine Bar

Stadtleben | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 15/16 vom 13.04.2016


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Der Wurstcocktail begleite ihn schon länger, verrät Hubert Peter. Für den setzt er geräucherte Trockenwürste in Korn an, tut etwas Essig und Senfsamen dazu, Datteln, Sternanis und Piment, und lässt das dann eine Zeitlang einwirken. Was da dann nach ein paar Wochen herauskommt, ist eine alkoholische Flüssigkeit, die ein bisschen an Weihnachtspunsch erinnert, mit leichter Selch- und Specknote.

Hubert Peter füllt die trübe Flüssigkeit in ein kleines Glas mit zierlichen Blümchen, garniert mit einem Stückchen ausgelaugter Wurst und Zesten und nennt es „Wurst-Dattel-Essig-Gewürze“ (€ 5,50). Bis vor ein paar Jahren war Hubert Peter noch F&B-Manager in einem hippen Hotel, dann machte er im – großartigen, aber so leider nur kurz währenden – „Die Au“ den Sommelier.

Als das Kussmaul aufsperrte, wechselte er hinter die dortige Bar, mit dem Effekt, dass man auf einen Gin Tonic etwa 25 Minuten warten musste, so kompliziert legte er dort seine Drinks an, dann kam der Getränkechef-Posten in der Liebe/Marktwirtschaft.

Und weil in dieser Marktwirtschaft gerade ja recht viel umgekrempelt wird – Restaurant Liebe hat ein neues Team, Biohof Rapf ist weg, der seltsame NÖM-Stand auch, kaffemik auch – wechselte Peter vom Restaurant nach vorne, machte aus der kleinen, gechillten Kaffee-Bar seine „Barrikade“.

Der Mann aus Vorarlberg hat da auf seinen Regalen Unmengen von Gläsern stehen, in denen die verschiedensten bunten Früchte, Essenzen und Wurzeln mazerieren, und schon kommt er mit einem urtümlichen Fässchen daher, in dem er Quittenlikör ansetzte. Und gleich drauf gibt’s was Erfrischendes, einen Cocktail namens „Fenchel-Sternanis-Zitronenverbene-Tonic Water“. Bist du deppert, in dem Cocktail spielt sich’s vielleicht ab! Da ist selbst angesetzter Fenchel-Wacholder-Anisette drin, den er mit Verjus verdünnte (oder so ähnlich, weiß nicht mehr so genau …), mit frischen Verbena-Blättern und einem Teesackerl mit getrockneten, und das Tonic Water, das ist natürlich auch selbst gemacht. Aus Chinarinde (der roten), die er sich in der Saint Charles Apotheke checkt, und mit Zitronensaft, Zitronenzesten, Limetten ansetzt, sagenhaft gut (€ 10,50). Muss man gleich auch mit Gin als klassischem Gin Tonic probieren, auch fantastisch.

Ich hatte dann wohl auch noch einen Cocktail, wo Peter Rote Rüben mit Erdbeeressig ansetzt und das rote Gebräu dann mit Kren, Schokolade und Erdbeeren kredenzt. Rein von der Optik würd ich mir das nicht bestellen, schmeckte aber grandios (€ 10,50). Ah ja, und dann hat er da noch Platten mit Vorarlberger Käse, Gragger-Brot, Würsten und Beinschinken vom Dormayer, Radieschen und Mini-Paprika, und da macht man sich einfach ein Aperitivo-Tellerchen nach Belieben und kann gleich noch einen Cocktail mehr trinken.

Resümee:

Die neue Front der Marktwirtschaft – statt der Kaffeebar mischt ein verrückter Vorarlberger hier jetzt Cocktails aus selbst angesetzten Essenzen und Auszügen.

Barrikade
7., Siebensterng. 21
Tel. 0664/517 37 30
Mi–Sa 17–24 Uhr
www.fb.com/barrikade.wien/


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