Film Retrospektive

Tribute to Fräulein Paprika: Franziska Gaal

Lexikon | Michael Omasta | aus FALTER 15/16 vom 13.04.2016

Sie ist die "Phantom Lady" des europäischen Kinos zwischen den Kriegen: Franziska Gaal, 1903 in Budapest geboren, eine der bekanntesten Schauspielerinnen des deutschsprachigen Films der frühen Tonfilmära. Ihre stärksten Komödien entstanden nach 1933 in Österreich (meistens in Koproduktion mit Ungarn), als sich Filme mit jüdischen Mitwirkenden ohne Absatz auf dem deutschen Markt amortisieren mussten.

Gaal war der Star eines fixen Teams, bestehend aus Regisseur Hermann Kosterlitz (in Hollywood später Koster), Drehbuchautor Felix Joachimson (Jackson) und dem Produzenten Joe Pasternak, das 1935/36 eine ganze Reihe sehr erfolgreicher Komödien realisierte: "Kleine Mutti", die herzergreifende Geschichte einer Schülerin, die sich eines Findelkinds annimmt und deshalb selbst in Verdacht der illegitimen Mutterschaft gerät; "Katharina, die Letzte", eine typische Aschenputtel-Geschichte (mit Hans Holt als Co-Star), und das Glanzstück der ganzen Reihe, "Peter", das die Schauspielerin in einer Hosenrolle als Mädchen von der Tankstelle zeigt.

Cecil B. DeMille, der berühmteste Hollywoodregisseur jener Zeit, holte das "Fräulein Paprika", wie Franziska Gaal vom US-Branchenblatt Variety genannt wurde, zur Paramount, wo sie in drei Filmen mitwirkte. DeMille selbst besetzte sie als in seinem historischen Abenteuerepos "The Buccaneer" als holländische Emigrantin in New Orleans. Doch anders als Pasternak, Koster und Jackson passte die Schauspielerin mit ihrem quecksilbrigen Temperament nie wirklich nach Hollywood.

Mitten im Krieg kehrte sie aus familiären Gründen zurück nach Ungarn, überlebte in einem Versteck auf dem Land. Damit war die Zeit für Komödie für Franziska Gaal wohl vorüber. Sie starb 1972 verarmt und vergessen in New York.

Bis 1.5. im Metro Kinokulturhaus


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