Revolution in the Air

Später Dank an den von 1968 geprägten Theaterregisseur Dieter Haspel

Feuilleton | Nachruf: Armin Thurnher | aus FALTER 15/16 vom 13.04.2016

Dieter Haspel hat mein Leben mitbestimmt. Haspel ist dem Wiener Publikum bekannt als eigensinniger Theatermann, der seit den späten 1960er-Jahren mit seiner Vorstellung avantgardistischer, sozialistischer oder linker Theaterästhetik auf Wiener Klein- und Mittelbühnen präsent war. Er inszenierte hier mehr Brecht als jeder andere, und als es Heinz R. Ungers "Proletenpassion" zum ersten Mal aufzuführen galt, war klar, das musste Dieter Haspel machen.

Sein Ensembletheater stieg ab den 1970er-Jahren zur Mittelbühne auf, aber nach der Jahrtausendwende und allen anderen Wenden schien Haspel weniger und weniger in die Zeit zu passen. Seine ästhetischen Standards waren durchgesetzt, er verlor die Subventionen für sein ständiges Theater und inszenierte nur mehr als einsamer Wolf ab und zu ein Stück. Einsam trifft es nicht ganz, denn stets hatte er eine treue Gruppe von Freunden um sich. Aber er war künstlerisch allein.

Zumindest schien mir das von außen so. Mein enger Kontakt mit ihm beschränkte


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