Landrand Ruralismus

Der Winter war nicht so schön

Florian Klenk lebt auf dem Land

Landleben | aus FALTER 15/16 vom 13.04.2016

Auf dem Land, so habe ich gedacht, auf dem Land gibt es keine Anonymität. Auf dem Land kennen sich die Nachbarn. Sie grüßen einander, sie plaudern am Zaun, sie tauschen Blumenzwiebeln aus, damit es im Frühjahr blüht.

Aber irgendwann kommt dann dieser Moment, wo man den Nachbarn nicht mehr sieht, wo man nicht mehr plaudert und keine Blumenzwiebeln tauscht. Irgendwann ist der Nachbar verschwunden und man merkt es gar nicht, weil man mit dem eigenen Leben beschäftigt ist.

Es ist aber nicht zu übersehen. Er ist weg, nur seine Katze ist noch da und seine Frau. Und so fragt man sie unsicher, wo der werte Gatte denn geblieben ist und wie es ihm gehe. Und dann sagt die Frau, dass er umgekippt sei, oben bei den Sonnenbräuten. Einfach umgekippt, nur die Katze habe das Unheil die Tage davor gespürt. Wann die Beerdigung sei? Vor sieben Monaten, sagt sie. Im September, als die Sonnenbräute golden leuchteten. Der Winter sei schlimm gewesen und einsam.

Ich bin dann in die Kirche gegangen. Ich habe die Sterbetafeln angeschaut und viele Nachbarn, die ich lange nicht sah, wiedergefunden. Hier also seid ihr.


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