Tiere

Pippis Geier

Peter Iwaniewicz erwartet, dass Papageien gegendert werden

Falters Zoo | aus FALTER 15/16 vom 13.04.2016


Zeichnung: Bernd Püribauer » zur Tier-Galerie

Mein Lieblingsprodukt der Kategorie „Ausgestorbene Toilettepapiermarken“ war eine Sorte der Firma Kakadu. Neben der abrasiven Haptik des Papiers, das dem hohen Holzanteil zu verdanken war, überzeugte dieses Fabrikat durch seine zweideutige Anrede des Konsumenten. Um die heutigen Dos and Don’ts des Marketingbereichs kümmerte man sich damals – man muss es so bildhaft formulieren – einen Scheiß.

Jetzt sind nicht nur unsere Hinterteile viel sensibler, sondern auch unser Erregungspotenzial größer geworden. Die kurze Meldung, dass ein schwedischer Privatzoo den 49 Jahre alten Papagei einschläfern soll, der in einem „Pippi Langstrumpf“-Film mitgespielt hatte, bewegte international die Gemüter. Für den deutschen Spiegel war es sogar eine „Todesdrohung gegen Douglas“, und auch alle anderen Medien plapperten dies in gleicher Manier nach. Welche der ca. 350 Papageienarten Douglas jedoch genau ist, blieb ebenso unklar wie die Gründe, warum solche Vögel nicht in kleinen Käfigen gehalten werden dürfen.

Es handelt sich um einen Hellroten Ara (Ara macao), eine der größten Papageienarten der Welt. Diese Tiere fliegen täglich mindestens zehn Kilometer, sind in Schwärmen von bis zu 20 Vögeln organisiert und verbringen ihr ganzes Leben monogam. Douglas’ Käfig wurde deswegen vom schwedischen Landwirtschaftsamt beanstandet, weil er nur drei Quadratmeter Bodenfläche hat. Wegen ihres bunten Gefieders und ihrer Begabung – bei Einzelhaltung –, menschliche Laute nachzuahmen, gibt es mit Papageien seit hunderten Jahren einen blühenden Handel. Heute werden weltweit rund 50 Millionen Papageienvögel privat oder kommerziell gehalten, wobei die Zahl aller im Freiland lebenden Papageien aller Arten ebenfalls auf rund 50 Millionen geschätzt wird.

Dabei sind diese Vögel überhaupt keine angenehmen Haustiere, da ihre Hauptbeschäftigung vor allem aus lautem Krächzen und Spucken besteht. Als junge Tiere sind sie noch zutraulich, mit zunehmendem Alter werden sie jedoch immer aggressiver und neigen dazu, ihre Halter mit Schnabel und Klauen zu verletzen. Und sie können bis zu 80 Jahre alt werden. Deswegen wechseln die meisten Papageien im Lauf ihres Lebens mindestens fünfmal ihre Besitzer. Das alles ist natürlich nicht so lustig, wie eine Meldung, in der Pippi Langstrumpf vorkommt.


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