Wer das Ziesel stört

Geschützte Tiere wie Ziesel, Juchtenkäfer, Wechselkröte & Co verhindern immer wieder Bauprojekte. Über den Clinch zwischen Stadtplanung und Artenschutz

Stadtleben | Zusammenfassung: Birgit Wittstock | aus FALTER 15/16 vom 13.04.2016


Illustration: Georg Feierfeil

Illustration: Georg Feierfeil

Plötzlich war das Ziesel Verhinderer von 950 Wohnungen. Dabei tat das rattengroße Nagetier aus der Familie der Hörnchen nur, was es immer tut: sich von März bis September mit Samen, Wurzeln, Knollen und Insekten vollfressen, sich nebenbei so gut es geht vermehren, um dann, isoliert von einer ordentlichen Speckschicht, die kalten Monate in seinem Bau unter der Erde zu verschlafen. Unpraktischerweise tat das Ziesel all dies auf einem Floridsdorfer Grundstück zwischen Heeresspital und Marchfeldkanal. Und das war als Bauland gewidmet.

Fünf Jahre lang wurden seinetwegen Gerichtsprozesse ausgefochten, eine Bürgerinitiative lief Sturm gegen das Bauprojekt, den Bauträgern entstanden durch die Verzögerung Millionenkosten, Experten wurden hinzugezogen, um die Population zu vermessen, und man versuchte, die Tiere auf Ausgleichsflächen zu locken. Nun, da die meisten der geschätzten 250 Ziesel von dem Areal verschwunden und ihre Bauten verlassen sind, rollten die Bagger an, um auf einem Teil des Areals die Grasnarbe abzutragen. Plötzlich fanden Tierschützer eine andere, streng geschützte Tierart auf dem Grundstück: die Zauneidechse.


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