Selbstversuch

Aha, aha, so sieht also ein Fasan aus

Doris Knecht hat eine Art Déjà-vu

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 15/16 vom 13.04.2016

Wie ich im Wald bin, kullert auf einmal von links ein Steinbrocken herunter, und dann noch einer. Das passiert an der Stelle immer wieder, viel lockeres Gestein dort. Ich schaue, ob noch was nachkommt und sehe, dass der Stein sich nicht von selber gelöst hat: Ein paar Meter weiter oben stapft ein Vogel herum und, schau, da ist noch einer. Große Vögel, graubraun, soweit ich das durch das Geäst erkennen kann, mit dicken Körpern und kleinen Köpfen. Sie schauen ein bisschen wie weibliche Pfaue aus. Aber seit dem Pfauendebakel drüben beim Horwath gibt's ja in der Gegend keine Pfaue mehr.

Wer sich an den Pfau erinnert: Vor drei Jahren hatte der Horwath der Horwathin ein Pfauenpaar zum Geburtstag schenken wollen, er hatte die Pfaue unten in Melk abgeholt und in seinen Hof gebracht. Leider waren die Mauern nicht hoch genug, jedenfalls sind Pfau und Frau noch vor der Übergabe an die Horwathin geflüchtet. Die Pfauin in den Wald, wo sie vom Fuchs gefressen wurde, der Pfau aber wollte danach nicht mehr drüben bei den Horwaths wohnen, sondern zog aufs Dach vom Nachbarn vis-à-vis, wo er jeden neuen Tag so um halb fünf Uhr herum mit irrsinnigem Geschrei begrüßte, genau in mein Schlafzimmer hinein.

Nur wer schon einmal einen Pfau schreien gehört hat, kann meine Dankbarkeit ermessen, als der Nachbar, der das Gekreisch auch nicht mehr ertrug, den Pfau einem offenbar schwerhörigen Paar in einem entfernten Dorf schenkte, das ein einsames Pfauenweib besaß. Seither gibt's keine Pfaue mehr im Ort, niemand ist darüber unglücklich, und ich blickte den im Wald entschwindenden Vögeln nach; Fasane wohl, so sehen die also aus.

Wie ich am Nachmittag den Horwath besuche, zeigt der Horwath einem neuen Gast gerade sein Anwesen und stellt seine Viecher vor. Da hinten wohnen die Bienen und jetzt gehen wir zu den Hendln und zu den Wachteln und zum Pfau.

Pfau?, sag ich zum Horwath, was für ein Pfau?, seit wann hast du wieder einen Pfau?? Seit Oktober, sagt der Horwath, ich hab's dir verheimlicht.

Wieso das??

Weil du so ein Theater wegen dem alten Pfau gemacht hast, sagt der Horwath.

Aber doch nur weil er mir direkt in mein Schlafzimmer gekreischt hat, sage ich. Solang er hier bei dir herüben in dein Schlafzimmer kreischt, finde ich einen Pfau total super.

Der Pfau ist sehr schön und fühlt sich bei den Hühnern sichtlich zu Hause.

Super, sage ich, sehr schön!!, braucht so ein Pfau nicht eine Frau?

Der Horwath sagt, dass der Pfau eh eine Frau hatte, sogar zwei Frauen, die sind ihm vorgestern leider abgehauen.

Ach. Tatsächlich. Der Gast vom Horwath hat mir am nächsten Tag erzählt, dass der Pfau ein unfassbares Spektakel macht in der Herrgottsfrüh, so ein irres Geschrei, das kannst du dir nicht vorstellen.

Hahaha; und doch, ich kann, ich kann.


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