Kunst Kritik

Grenzgang an der Sicherheitsmarkierung

Lexikon | NS | aus FALTER 16/16 vom 20.04.2016

Unter dem Begriff "safe space" wird in Amerika ein -metaphorischer, virtueller und konkreter - Raum verstanden, in dem es keinerlei Beurteilung oder Diskriminierung wegen Geschlecht, sexueller Orientierung, Hautfarbe, Religion, Aussehen oder Herkunft geben soll. Es handelt sich quasi um eine informelle Übereinkunft, meistens auf Universitäten, alle "verletzenden" Mainstream-Urteile zu vermeiden.

Dass die Künstlerin Lili Reynaud-Dewar diese Errungenschaft politischer Korrektheit als Titel für ihre aktuelle Schau in der Galerie Emanuel Layr wählt, ist kein Zufall. Im Vorjahr hat die französische Künstlerin im New Museum in New York ausgestellt, und ihre performative Videoinstallation wurde stark als Kommentar zum Rassenproblem verstanden. Kein Wunder, tanzte die in Ballett ausgebildete Künstlerin in ihrem Video doch nackt und mit schwarzer Farbe bedeckt durch die Museumsräume. In Wien führt Reynaud-Dewar mehrere dieser Performances zusammen, die sie etwa mit Referenz auf Tänzerinnen wie Josephine Baker aufgeführt hat, aber sie verfremdet die vergangenen Arbeiten und kreiert ein gelungenes Display für ihre Videos sowie auf Stellwand und Vorhänge gedruckten Fotos. Dafür hat sie aber ihre Filme teils in Negativform verwandelt, sodass die schwarze Körperfarbe nun weiß erstrahlt. Man sieht sie so durch eine Ausstellung der Generali Foundation tanzen; auf den Fotos ist sie bei Rauchpausen und beim E-Mail-Checken zu sehen.

Reynaud-Dewars "sicherer Raum" sieht toll aus und macht inhaltlich neugierig auf ihre Grenzgänge in puncto Körperbild, "Blackfacing" oder Kritik an den Ausschließungsmechanismen des White Cube. Wer mehr erfahren will, der kann in der Galerie auch im Buch der Künstlerin schmökern, das Texte über ihre eigene und die Arbeiten von Kollegen enthält.

Galerie Emanuel Layr, bis 4.6.


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