Landrand Ruralismus

Am Land ist das auch längst nimmer so

Gerlinde Pölsler stellt fest, dass viele angebliche Stadt-Land-Gegensätze so nicht existieren

Landleben | aus FALTER 16/16 vom 20.04.2016

Wo sind jetzt wieder alle? Gerade noch haben sieben Kinder im Garten Verstecken gespielt, jetzt stehen Sandkiste und Hochsitz auf einmal verlassen da. Wie sich herausstellt, haben zwei sich nach drinnen verzogen, drei holpern mit dem Rad durch den einen Nachbargarten und drei halten im anderen Steckerlbrote ins Feuer. Zehn Minuten später ist die Menschenmischung wieder eine andere, weil jemand Besuch gekriegt hat und es Kuchen gibt.

Muss irgendwo in einem Dorf sein? Nein, geht auch in Graz und anderen Städten. Wenn die Siedlung so gebaut ist, dass die Leute sich auch über den Weg laufen und es Platz zum Rumstehen und Tratschen gibt. Und die Nachbarn sich nicht allzu viel aus Zäunen machen.

Umgekehrt stellt sich solche (Kinder-)Freiheit auch am Land längst nicht mehr automatisch ein. Weil gleich vor der Haustür die Autos mit 100 vorbeirauschen. Weil jeder in seinem Parzellchen hockt, die Hecken mordshoch, dass nur ja keiner reinschaut. Und weil in manchem obersteirischen oder Südkärntner Abwanderungsgebiet das Kind eher eine betagte Frau mit Gehhilfe findet als eine gleichaltrige Spielkameradin.


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