Erscheinungen Personen, Trends, Kampagnen

Über die Glaubwürdigkeit der Branche

TAGUNGSBESUCH: BENEDIKT NARODOSLAWSKY | Medien | aus FALTER 16/16 vom 20.04.2016

Lügenpresse, Mainstreammedien, Verschwörungstheorien. Drei Begriffe geistern durch die Gesellschaft und verunsichern die Journalistenbranche. Kein Wunder also, dass die dritte Auflage der "Journalismustage" dieses Jahr unter dem Motto Glaubwürdigkeit stand.

Warum haben Kunden anscheinend das Vertrauen in die Medien verloren? Fraglos spiele das Internet eine wichtige Rolle, in der jeder zum Publizisten werden kann, erklärt Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer. Selbst eine 70-köpfige Dokumentationsabteilung, die jede Zeile einer Spiegel-Ausgabe auf die Fakten überprüft, habe die Redaktion nicht vor erzürnten Reaktionen bewahrt. Für die einen berichte der Spiegel zu amerikafreundlich, für die anderen zu amerikafeindlich.

Helge Fahrnberger, Gründer des Medienwatchblogs Kobuk.at, präsentiert derweil auf der Nebenbühne Dokumente, die vermuten lassen, dass die Glaubwürdigkeit von Journalisten auch aus Eigenverschulden schwindet: Gekaufte Berichterstattung, manipulative Hetzkampagnen, Kuschen vor Anzeigenkunden, Texte von PR-Firmen, die von Medien unverändert als eigene recherchierte Beiträge veröffentlicht wurden. Fahrnbergers Fehlleistungsschau des heimischen Journalismus ist beeindruckend und bedrückend zugleich.

Das ist der kritische Blick von innen. Aber wie sieht der von außen aus? Sie habe mit dem Schlimmsten gerechnet, sagt Cathrin Kahlweit, Korrespondentin der Süddeutschen Zeitung. Aber die österreichische Medienlandschaft sei sehr lebendig und besser als ihr Ruf. Dennoch konstatiert Kahlweit eine Beißhemmung gegen Mächtige und andere Medien. Ihre Erklärung: Das Land sei klein. Es kenne eben jeder jeden.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige