Selbstversuch

Kochende Teenager, ganz herrlich, wirklich

Doris Knecht hat den Impuls dann niedergerungen

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 16/16 vom 20.04.2016

Offenbar hat sich das ganze Gekreisch und Gezeter vom neuen Pfau dann doch noch ausgezahlt. Wobei, mir war's eh wurscht, der neue Pfau kreischt jetzt drüben beim Horwath, ich höre davon nichts. Aber eins der Pfauenweiber, die ich unlängst im Wald getroffen und in Unkenntnis der neuen Pfauensituation für Fasane gehalten habe, hat ihn gehört, und es hat sich erbarmt, und es ist aus dem Wald wieder zum Horwath in den Hühnerhof gekommen, und dort führen der neue Pfau und die neue Pfauin jetzt ein harmonisches Pfauenpaarleben und sie verhalten sich genau so, wie es sich der Horwath und die Horwathin schon seit Jahren imaginieren. Tagsüber spazieren sie im Hühnerhof herum und sind dekorativ, zumindest der Herr Pfau, wenn er brav sein Federrad schlägt. Nachts schlafen sie gemeinsam im Nussbaum. Es ist geradezu romantisch und eine perfekte Pfauenidylle. Die Horwaths sind sehr zufrieden. Happy End für alle, endlich.

Aber es sind überhaupt gerade alle glücklich: Die Warmsaison am Land wurde mit einem größeren Grillgelage eröffnet, mit Käsekrainern und Lichterketten und Lagerfeuer. So soll es sein, wir essen, trinken und machen urschöne Fotos mit warmem Licht, tanzenden Kindern und glücklichen Erwachsenen, auf denen nicht zu sehen ist, wie man den nächsten Tag, den ganzen Sonntag, mit Aufräumen verbringt: Wie man die Reste des Gelages wegräumt, wie man Scheibtruhen voller Leergut zum Altglascontainer schiebt, wie man im Haus herumputzt und alles aufräumt. Denn kaum ist man im Wochenende angekommen, ist auch schon wieder Abreisetag. Und seien wir uns ehrlich, die meisten Wochenendhäusler verbringen ihre Sonntage nicht mit Faulenzen und Lesen und Wandern und Kuchenessen, wie es andere, unbewochenendhauste Menschen tun. Sondern damit, Haus und Garten wieder in den Zustand zu bringen, in dem sie es zwei Tage vorher angetroffen haben und fünf Tage später wieder anzutreffen wünschen.

Und wer nicht in der Früh seine Waldwanderung gemacht hat, der macht sie auch nicht mehr, weil: keine Zeit. Und das ist genau der Grund, wieso Freundin S. im Leben nienieniemals ein Wochenendhaus haben möchte. Weil es einen wirklich verspießert, zumindest stundenweise, und die Stunden am Sonntagnachmittag sind in dieser Hinsicht hochgefährlich. Zum Beispiel, wenn in dem Moment, in dem man gerade die Küche fürs nächste Wochenende picobello saubergemacht hat, eine hungrige Teenagerhorde einfällt und beschließt, dass jetzt gekocht werden muss. Was ja total großartig und unterstützenswert ist, kochende Teenager, herrlich, und irgendwie, mit beträchtlichem mentalem Aufwand, gelingt es einem dann auch, den Impuls niederzuringen, ihnen mit Armen und Beinen den Zugang zur Küche zu verwehren und sie mit drei Packungen Keksen zu ihren Smartphones und Youtube-Videos zu schicken Ja, super, kocht euch was, viel Spaß, im Kühlschrank hat's noch Erdäpfel von der gestrigen Grillage.

Warm ists. Lasst den Sommer beginnen.


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