Film Neu im Kino

Die Kleinfamilie in der 10er-WG

Lexikon | SABINA ZEITHAMMER | aus FALTER 16/16 vom 20.04.2016

Dänemark, um 1975: Nachdem Architekt Erik die Villa seiner Eltern geerbt hat, überredet ihn seine Frau, die TV-Nachrichtensprecherin Anna, eine Kommune zu gründen. Vater, Mutter und die 14-jährige Tochter Freja gehen in einer Gemeinschaft mit Freunden und Bekannten auf. Man trinkt, raucht, isst, diskutiert und lacht zusammen. Anna ist glücklich, Erik aber leidet darunter, dass seine Frau ihm weniger Aufmerksamkeit schenkt. Kurz darauf beginnt er eine Affäre mit Studentin Emma, die die Familie -ob mit oder ohne WG, in die Emma schließlich auch einzieht - sprengen wird.

Thomas Vinterberg griff für "Die Kommune" auf eigene Erfahrungen zurück: In seiner Kindheit und Jugend lebte er selbst in einer solchen Gemeinschaft. Er verbinde "goldene Erinnerungen" damit, doch es habe auch viel Traurigkeit und ein großes Durcheinander in den Beziehungen gegeben, so der Regisseur.

Vor dem Hintergrund der fröhlichexzentrischen Gesellschaft, die selbst aber nur wenig beleuchtet wird, untersucht er die emotionale Entwicklung der Kleinfamilie. Die Kommune scheint ihre Gefühle zu verstärken, seien es Eriks kalter Egoismus oder die Einsamkeit der idealistischen, verlassenen Anna (Trine Dyrholm), die durch die Akzeptanz seiner Bedürfnisse um ihren Mann kämpft, bis sie fast zerbricht. Der Ursprung im Theater - der Film beruht auf Vinterbergs gleichnamigem Stück -bleibt dabei spürbar: Fragmente einer unklaren Zeitspanne, in denen einmal Erik, einmal Anna und einmal Freja im Fokus stehen, verbinden sich zu einem nachdenklich-melancholischen Blick auf eine zerbrechende Ehe, alternative Lebensentwürfe und Vergänglichkeit. Vinterberg zeigt Tatsachen und urteilt nicht: Wohl die beste Art, sich ambivalenten Gefühlen im Film zu nähern.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino)


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