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Der Gladiatorenkampf im Öffentlich-Rechtlichen

BENEDIKT NARODOSLAWSKY | Medien | aus FALTER 16/16 vom 20.04.2016

Fernsehduelle sind improvisierte Theaterstücke, in der Politiker vor Publikum ihre Rolle spielen und sich keine Blöße geben dürfen. Sie halten ihre Hände auf den Tisch, weil ihnen jemand erzählt hat, das sehe so am besten aus. Sie lassen sich von Profis für ihr Outfit beraten, heften sich gegebenenfalls Broschen ans Revers, um politische Botschaften zu vermitteln, und wählen bedachtsam die Farbe ihrer Krawatte. Wer sich privat duzt, wechselt vor der Kamera zum Sie.

Das neue Wahl-Fernsehformat "Die 2 im Gespräch" des ORF hatte schon im Vorfeld für Schlagzeilen gesorgt, weil Bundespräsidentschaftskandidat und ATV-Doku-Soap-Hauptdarsteller Richard Lugner nicht mitmachen durfte. Es wurde schließlich die angekündigte Show, die man erwartet hatte. Wie Gladiatoren führten die Moderatoren jeweils zwei Präsidentschaftskandidaten in die Studio-Manege. 15 Minuten jedes Duell, jeder gegen jeden, insgesamt zweieinhalb Stunden Sendezeit.

Die Spin-Doktoren der Parteien hatten ihre Kandidaten gut vorbereitet. Jeder Politiker hatte Untergriffe gegen den anderen vorbereitet und brachte ihn gezielt an. Nur Irmgard Griss verstand es nicht auszuteilen. Sie versagte in der Rolle als Politikerin und sah die ganze Zeit nur aus wie ein normaler Mensch.


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