Stadtrand Urbanismus

Ein bisschen urbanes Humtata

Birgit Wittstock hat zugesehen, wie die Steiermark Wien besuchte

Stadtleben | aus FALTER 16/16 vom 20.04.2016

Wer vergangene Woche mit der U2 gefahren ist, wähnte sich in einem schlechten Film. In einem Lederhosenfilm genau genommen. Überall Verkleidete: schmächtige Banker in kurzen Lederknickerbockern und Gamsbarthüten, bärtige Hipster, die ihrer Tattoos wegen extra die Karohemden aufkrempelten, und junge Studentinnen mit oft viel zu gut gemeinten Dekolletés. Der Grund für dieses inflationäre Auftreten von Trachtenbekleidung in der Wiener Innenstadt: das alljährliche Steiermarkdorf, quasi eine mehrtägige Werbeeinschaltung des zweitgrößten Bundeslandes.

Eingedenk der schier unglaublichen Menschenmenge, die sich da mit allerlei Kürbiskernzeug eine Unterlage schuf, um dann flaschenweise Wein hinterherzuschütten und STS-Hadern zu grölen, stellt man sich als stille Beobachterin folgende Fragen: Woher kommt dieser unbändige Durst der Wiener nach ein bisschen Ursprünglichkeit, Folkloreuniformen und Humtata? Und vor allem: Warum pilgern die Landflüchtlinge mit einer solchen Begeisterung zu derartigen Zeltfestimitationen? Muss eine Art kollektives Stockholmsyndrom dahinterstecken.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige