Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Der beste Feiertag der Welt der Woche

Feuilleton | ANNA GOLDENBERG | aus FALTER 16/16 vom 20.04.2016

Jüdische Feiertage sind toll, weil stimmt, was der amerikanische Komiker Alan King einmal gesagt hat: "Sie wollten uns umbringen. Wir haben gewonnen. Lasst uns essen!" Etwa Chanukka (Aufstand gegen makedonische Fremdherrschaft), Purim (Vereitelung des Massenmords an persischen Juden) und, diese Woche, Pessach: Das Findelkind Moses führt die in Ägypten versklavten Juden nach Israel.

Allerlei Wunder vereinfachten die Ausreise: Naturkatastrophen quälten die Ägypter; das Rote Meer teilte sich und verschlang die Armee des Pharaos. 40 Jahre irrten die Flüchtlinge durch die Wüste; ihr Brot fiel vom Himmel. Unterwegs schlossen sie einen Bund mit Gott, dem selbsternannten Urheber all dieser unerklärlichen Ereignisse. Sie erhielten die Thora, den ersten Teil der hebräischen Bibel.

Die Geschichte ist ein Blockbuster - mit Helden, Intrigen und jeder Menge Action. Egal, wie oft man sie gehört hat, sie bleibt unglaublich spannend. Wann lässt der Pharao die Juden endlich ziehen? Auch die wenig bibelfesten Feiernden zittern mit. Sitzt man am Vorabend, dem Seder, am gedeckten Tisch, ist man nämlich von bedeutungsschwerem Essen umgeben. Die Matzen, ungesäuertes Brot, erinnern an den hastigen Aufbruch aus Ägypten. Sie sind staubtrocken wie Wüstensand, und man kann aus ihnen tolle Sandwiches mit leckerem Charosset, einem Gemisch aus Äpfeln und Nüssen, machen.

Für den Seder gibt es eine Anleitung, die Haggada. Singen, segnen, essen, trinken. Alles easy! Was symbolisiert nochmal Charosset? Genau, den Lehm, mit dem die Versklavten Pyramiden bauen mussten. Die Haggada schreibt sogar vor, zurückgelehnt zu sitzen. Das lässt sich niemand zweimal sagen! Sklaven müssen nämlich immer einsatzbereit sein. Freie Menschen dürfen sich auch einmal entspannen.


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