Stillstand ist Rückschritt

Betrifft: "Weltkulturerbe ade? Halb so schlimm" von M. Novotny, Falter 14/16

Falter & Meinung | aus FALTER 16/16 vom 20.04.2016

Das Heumarkt-Projekt ist notwendig, denn Stillstand ist Rückschritt. Das gilt auch für die Gründerzeitstadt, die eine permanente Infragestellung und Erneuerung mit zeitgemäßen Bauformen - Hochhäuser sind da nicht auszuschließen - benötigt. Wer die raffinierten und bis ins kleinste Detail durchkomponierten Prinzipien der Ringstraße und ihrer charakteristischen Abschnitte durchschaut, dem erschließt sich schnell die Notwendigkeit einer einfühlsamen Auseinandersetzung mit dieser wichtigsten Stadtzone Wiens, um diese erfolgreich weiterentwickeln zu können.

Die Ausdehnung des Weltkulturerbes infrage zu stellen, ist legitim und eine Aberkennung würde keine/n Touristin/en vom Kommen abhalten. Die Rolle des "privaten Vereins" Icomos beim Heumarkt-Projekt ist deshalb wichtig, weil er als einziger Player von den Befürwortern dieses Projektes ernst genommen wurde/wird.

Ist die Stadt ohne oder mit Heumarktturm eine qualitätsvollere? Faktum ist, dass alle Hochhäuser im Umfeld der Ringstraßenzone eine Antithese zu dieser bilden, ohne Bedeutendes zum historischen oder touristischen Image der Stadt beizutragen. Der "Masterplan Glacis" weicht diesen Fragestellungen aus. Ein "Bilbao-Effekt" wird sich mit dem Siegerprojekt auch nicht einstellen. Gegen eine Neuformulierung der Heumarkt-Situation ist nichts einzuwenden. Aber die Aufwertung und zeitgemäße Interpretation der Glaciszone nimmt mit dem vorliegenden Projekt einen dauerhaften Kollateralschaden in Kauf: den Verlust wertvollsten Stadtraums zugunsten von Luxuswohnungen. Im Übrigen soll, nein, muss Architekt Weinfeld als Wettbewerbssieger dort bauen und niemand anderer.

FRANZ DENK Wien 2


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